Der Junge und die Tauben, für die der Himmel nicht offenstand
Abbas Khiders Roman »Der letzte Sommer der Tauben« ist ein stilles, eindringliches Buch über den Verlust von Freiheit und Zukunft – erzählt aus der Perspektive eines Vierzehnjährigen, der aufgrund der beklemmenden politischen Restriktionen seines Landes viel zu früh erwachsen werden muss. In einfachen und authentischen Ton schildert Abbas Khider, wie das Kalifat Schritt für Schritt in das Leben des Jungen Noah eindringt und dabei alles verändert: den Alltag, die Familie, die Beziehungen, die Träume.
Auffällig ist zunächst die sehr einfache, klare Sprache. Der Roman wirkt stellenweise tatsächlich so, als hätte Noah selbst zur Feder gegriffen, als würde er seine Erlebnisse direkt an Gleichaltrige weitergeben. Diese Schlichtheit ist nicht zwingend eine Schwäche, sondern eine bewusste ästhetische Entscheidung: Sie verleiht der Geschichte Authentizität und macht die Grausamkeit der Ereignisse umso spürbarer. Gerade weil nicht pathetisch oder ausschweifend erzählt wird, wirken viele Szenen besonders eindringlich.
Besonders gelungen ist, wie Khider zeigt, dass Unterdrückung nicht plötzlich beginnt, sondern schleichend. Zunächst sind es kleine Eingriffe: Fotos müssen retuschiert werden, Frauen dürfen sich nicht mehr frei bewegen, Worte werden kontrolliert. Doch bald wird aus diesen scheinbar nebensächlichen Einschränkungen ein System aus Angst, Gewalt und Willkür. Die Welt, in der Noah aufwächst, wird immer enger, bis kaum noch Raum für Kindheit, Spiel und Hoffnung bleibt.
Der Roman ist zugleich ein schonungsloses Porträt religiösen Fanatismus. Khider zeigt, wie eine atavistische, rückwärtsgewandte Auslegung von Religion den gesellschaftlichen Fortschritt blockiert, kulturelle Entwicklung erstickt und Menschen systematisch entmündigt. Besonders Frauen werden ihrer Freiheit beraubt, auf Rollen reduziert und aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Doch auch Männer bleiben nicht unversehrt: Viele werden vom Fanatismus verführt, instrumentalisiert und in ein System hineingezogen, das letztlich auch sie unglücklich macht.
In dieser Hinsicht erinnert der Roman daran, dass religiöser Dogmatismus – ähnlich wie einst das Christentum in Europa – ganze Gesellschaften lähmen und über Generationen hinweg schädigen kann. Der Autor beschreibt dies nicht belehrend, sondern anhand konkreter Schicksale. Gerade dadurch wird deutlich, wie zerstörerisch diese Ideologie auf das Leben einfacher Leute wirkt.
Die episodenhafte Struktur mit kurzen Kapiteln verstärkt den Eindruck einer fragmentierten Kindheit. Das Leben erscheint wie ein Mosaik aus Erinnerungen, das sich langsam zu einem erschütternden Gesamtbild fügt. Manchmal wirkt diese Form etwas sprunghaft, doch insgesamt trägt sie zur dichten Atmosphäre und einem stimmigen Ganzen bei.
Trotz aller Schwere verliert das Buch jedoch nie seine Menschlichkeit. Immer wieder blitzen Momente von Zärtlichkeit und leiser Poesie auf – etwa in Noahs Beziehung zu seinen Tauben, die zu einem Symbol für Freiheit, Sehnsucht und Verletzlichkeit werden.
Trotz seiner Schlichtheit halte ich diesen Roman zwar nicht für einen Meilenstein, nichtsdestotrotz leistet er zweifelsohne einen beachtlichen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Auffällig ist zunächst die sehr einfache, klare Sprache. Der Roman wirkt stellenweise tatsächlich so, als hätte Noah selbst zur Feder gegriffen, als würde er seine Erlebnisse direkt an Gleichaltrige weitergeben. Diese Schlichtheit ist nicht zwingend eine Schwäche, sondern eine bewusste ästhetische Entscheidung: Sie verleiht der Geschichte Authentizität und macht die Grausamkeit der Ereignisse umso spürbarer. Gerade weil nicht pathetisch oder ausschweifend erzählt wird, wirken viele Szenen besonders eindringlich.
Besonders gelungen ist, wie Khider zeigt, dass Unterdrückung nicht plötzlich beginnt, sondern schleichend. Zunächst sind es kleine Eingriffe: Fotos müssen retuschiert werden, Frauen dürfen sich nicht mehr frei bewegen, Worte werden kontrolliert. Doch bald wird aus diesen scheinbar nebensächlichen Einschränkungen ein System aus Angst, Gewalt und Willkür. Die Welt, in der Noah aufwächst, wird immer enger, bis kaum noch Raum für Kindheit, Spiel und Hoffnung bleibt.
Der Roman ist zugleich ein schonungsloses Porträt religiösen Fanatismus. Khider zeigt, wie eine atavistische, rückwärtsgewandte Auslegung von Religion den gesellschaftlichen Fortschritt blockiert, kulturelle Entwicklung erstickt und Menschen systematisch entmündigt. Besonders Frauen werden ihrer Freiheit beraubt, auf Rollen reduziert und aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Doch auch Männer bleiben nicht unversehrt: Viele werden vom Fanatismus verführt, instrumentalisiert und in ein System hineingezogen, das letztlich auch sie unglücklich macht.
In dieser Hinsicht erinnert der Roman daran, dass religiöser Dogmatismus – ähnlich wie einst das Christentum in Europa – ganze Gesellschaften lähmen und über Generationen hinweg schädigen kann. Der Autor beschreibt dies nicht belehrend, sondern anhand konkreter Schicksale. Gerade dadurch wird deutlich, wie zerstörerisch diese Ideologie auf das Leben einfacher Leute wirkt.
Die episodenhafte Struktur mit kurzen Kapiteln verstärkt den Eindruck einer fragmentierten Kindheit. Das Leben erscheint wie ein Mosaik aus Erinnerungen, das sich langsam zu einem erschütternden Gesamtbild fügt. Manchmal wirkt diese Form etwas sprunghaft, doch insgesamt trägt sie zur dichten Atmosphäre und einem stimmigen Ganzen bei.
Trotz aller Schwere verliert das Buch jedoch nie seine Menschlichkeit. Immer wieder blitzen Momente von Zärtlichkeit und leiser Poesie auf – etwa in Noahs Beziehung zu seinen Tauben, die zu einem Symbol für Freiheit, Sehnsucht und Verletzlichkeit werden.
Trotz seiner Schlichtheit halte ich diesen Roman zwar nicht für einen Meilenstein, nichtsdestotrotz leistet er zweifelsohne einen beachtlichen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.