Eine Mischung aus Cosy Krimi und Familiengeschichte

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aitutaki Avatar

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„Der Tag, an dem Barbara starb“ hat mich mit seiner Mischung aus Cosy Crime, warmherziger Familiengeschichte und leiser Melancholie sofort überzeugt. Richard Hooton erzählt nicht nur einen Mordfall, sondern zeichnet zugleich ein liebevolles Porträt des Alterns, der Erinnerung – und der Menschen, die trotz Einschränkungen nicht aufgeben wollen.

Die Handlung beginnt in einem kleinen nordenglischen Dorf, wo die 89‑jährige Margaret den Mord an ihrer Freundin Barbara nicht auf sich beruhen lässt. Schon in der Lesebeschreibung wird deutlich: Der Krimi lebt weniger von rasanter Action, sondern vom Rätselhaften, Zwischenmenschlichen und Emotionalen.

Besonders gelungen finde ich, dass die Spannung nicht künstlich erzeugt wird, sondern sich aus Margarets Unsicherheit speist – aus ihrer Erinnerung, die sie immer wieder im Stich lässt. Die Geschichte wirft Fragen auf, ohne überladen zu wirken, und bleibt dennoch charmant und warm.

Margaret ist sofort eine Figur, die man ins Herz schliesst: Resolut, verletzlich, klug – und gleichzeitig mit den Schatten ihrer beginnenden Demenz kämpfend. Gerade diese Ambivalenz macht sie besonders authentisch. Ihr Enkel James bringt Leichtigkeit und Humor ins Geschehen. Die Dynamik zwischen den beiden wirkt lebensnah und rührend. Auch Nebenfiguren wie Familie und Dorfbewohner sind glaubwürdig dargestellt, oft mit einer guten Prise britischen Humors.

Hootons Schreibstil ist klar, warmherzig und einfühlsam. Er schafft es, die Stimmung eines englischen Dorfes einzufangen, ohne kitschig zu wirken. Die Balance zwischen Humor, Trauer und Spannung ist fein dosiert. Besonders schön ist die Nähe zur Perspektive von Margaret – ihre Unsicherheiten, ihre Erinnerungen, ihr innerer Kampf werden spürbar. Der Stil erinnert an klassisches britisches Cosy Crime, ist aber emotional tiefer und moderner erzählt.

Würde ich das Buch empfehlen? Ja – sehr. Ich würde „Der Tag, an dem Barbara starb“ besonders empfehlen für Leser/innen, die:

- gemütliche, aber dennoch berührende Krimis mögen
- unkonventionelle Ermittlerduos schätzen
- Geschichten suchen, die Herz und Tiefe besitzen
- britische Atmosphäre lieben

Wer hingegen eine temporeiche, actiongeladene Thrillerhandlung erwartet, könnte es als zu ruhig empfinden. Für Fans von warmherzigem Cosy Crime mit Substanz ist es jedoch ein echtes Highlight.