Zwischen schwerem Versprechen und biederer Nostalgie
Wer wie ich am eigenen Leib erfahren musste, wie grausam Mitschüler sein können und wie tief sich das Gefühl festsetzt, nirgendwo hineinzupassen und als Zielscheibe herhalten zu müssen, schaut bei einem Buch mit dem Untertitel „Wie aus Verletzlichkeit Stärke gegen Mobbing wächst“ natürlich mit ganz anderen Augen hin. Man greift danach in der Hoffnung auf echte, ungeschönte Einblicke, auf diesen schmerzhaften, aber heilsamen Moment des Wiedererkennens und auf ehrliche Wege aus der Ohnmacht.
Der Auftakt im Vorwort packt einen dann auch tatsächlich bei den Schultern: Wenn die Autorin schildert, wie ihr eigener Sohn mit einer Beeinträchtigung in der Schule schikaniert wird, sich in sich selbst zurückzieht und genau dieselbe lähmende Mauer des Schweigens aufbaut, die sie aus ihren eigenen dunklen Kapiteln nur zu gut kennt – da zieht sich einem unwillkürlich die Kehle zu. Das ist ein zutiefst aufrichtiger, beklemmender Ansatzpunkt, der sofort klarmacht, worum es eigentlich gehen sollte: das Durchbrechen vererbter Sprachlosigkeit und den Schutz derjenigen, die keine Stimme haben.
Umso ernüchternder und zäher ist dann allerdings der brutale Bruch, sobald das eigentliche erste Kapitel beginnt. Statt an diesem wunden Punkt anzusetzen, verliert sich der Textauszug seitenlang in einer fast schon erdrückenden, bürgerlichen Nostalgie-Parade. Man erfährt haarklein, wie idyllisch Lübeck war, wer wo Koch gelernt hat, welcher DJ auf welcher Hochzeit aufgelegt hat und was im Restaurant der Eltern auf den Teller kam – vom Sauerfleisch bis zum Hirschfilet. Dazwischen reiht sich Anekdote an Anekdote über ordentlich sortierte TKKG-Kassetten, das ungeliebte Keyboard-Üben für den Großvater und das Klettern auf Bäume. Das liest sich über weite Strecken wie ein harmloses, etwas geschwätziges Familienalbum, das den Buchtitel und das drängende Thema Mobbing komplett aus den Augen verliert.
Dass man als Kind schüchtern war und den Blick gesenkt hat, reicht als Brücke einfach nicht aus, um dieses endlose Kleinstadt-Geplänkel zu rechtfertigen. Für eine Leseprobe, die eigentlich wachrütteln und Betroffene abholen soll, plätschert das Ganze viel zu gemütlich und behütet dahin. Da fehlt mir schlichtweg die Schärfe, der Biss und der Mut, direkt dorthin zu gehen, wo es wirklich wehtut.
Ich erwarte vom weiteren Buch zwar durchaus, dass die versprochenen Traumata, die Schikanen gegen den Sohn und der Ausweg aus der Hilflosigkeit noch auf den Tisch kommen – das deutet das Vorwort ja unmissverständlich an. Aber wer hier einen fokussierten, aufrüttelnden Ratgeber oder eine schonungslose Aufarbeitung sucht, muss sich durch eine gewaltige Schicht wohlgefälliger Kindheits-Anekdoten wühlen. Für mich persönlich verschenkt dieser Einstieg leider eine Menge Wucht, weil er den Schmerz mit zu viel bürgerlicher Gemütlichkeit zudeckt.
Der Auftakt im Vorwort packt einen dann auch tatsächlich bei den Schultern: Wenn die Autorin schildert, wie ihr eigener Sohn mit einer Beeinträchtigung in der Schule schikaniert wird, sich in sich selbst zurückzieht und genau dieselbe lähmende Mauer des Schweigens aufbaut, die sie aus ihren eigenen dunklen Kapiteln nur zu gut kennt – da zieht sich einem unwillkürlich die Kehle zu. Das ist ein zutiefst aufrichtiger, beklemmender Ansatzpunkt, der sofort klarmacht, worum es eigentlich gehen sollte: das Durchbrechen vererbter Sprachlosigkeit und den Schutz derjenigen, die keine Stimme haben.
Umso ernüchternder und zäher ist dann allerdings der brutale Bruch, sobald das eigentliche erste Kapitel beginnt. Statt an diesem wunden Punkt anzusetzen, verliert sich der Textauszug seitenlang in einer fast schon erdrückenden, bürgerlichen Nostalgie-Parade. Man erfährt haarklein, wie idyllisch Lübeck war, wer wo Koch gelernt hat, welcher DJ auf welcher Hochzeit aufgelegt hat und was im Restaurant der Eltern auf den Teller kam – vom Sauerfleisch bis zum Hirschfilet. Dazwischen reiht sich Anekdote an Anekdote über ordentlich sortierte TKKG-Kassetten, das ungeliebte Keyboard-Üben für den Großvater und das Klettern auf Bäume. Das liest sich über weite Strecken wie ein harmloses, etwas geschwätziges Familienalbum, das den Buchtitel und das drängende Thema Mobbing komplett aus den Augen verliert.
Dass man als Kind schüchtern war und den Blick gesenkt hat, reicht als Brücke einfach nicht aus, um dieses endlose Kleinstadt-Geplänkel zu rechtfertigen. Für eine Leseprobe, die eigentlich wachrütteln und Betroffene abholen soll, plätschert das Ganze viel zu gemütlich und behütet dahin. Da fehlt mir schlichtweg die Schärfe, der Biss und der Mut, direkt dorthin zu gehen, wo es wirklich wehtut.
Ich erwarte vom weiteren Buch zwar durchaus, dass die versprochenen Traumata, die Schikanen gegen den Sohn und der Ausweg aus der Hilflosigkeit noch auf den Tisch kommen – das deutet das Vorwort ja unmissverständlich an. Aber wer hier einen fokussierten, aufrüttelnden Ratgeber oder eine schonungslose Aufarbeitung sucht, muss sich durch eine gewaltige Schicht wohlgefälliger Kindheits-Anekdoten wühlen. Für mich persönlich verschenkt dieser Einstieg leider eine Menge Wucht, weil er den Schmerz mit zu viel bürgerlicher Gemütlichkeit zudeckt.