Nicht verstaubt sondern hochaktuell

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holzfrieden Avatar

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Gun Brit Sundströms „Die beste aller Beziehungen“ wurde in Schweden als Kultbuch Feder. Es ist in Schweden 1976 erschienen, in der Zeit des Umbruchs: Frauenbewegung, Friedensbewegung, Vietnamkrieg, Wirtschaftskrise,… .
Die Protagonisten Martina und Gustav studieren in Stockholm, verlieben sich, werden ein Paar und sind doch so verschieden.
Gustav ist religiös, Konventionen verhaftet und möchte ein normales Leben.
Martina ist von der Aufbruchstimmung der Frauen in den 1970ern erfasst:
„Wenn ich meinen Verstand gebrauche, kann ich außerdem kein bisschen einsehen, weshalb man zusammen wohnen sollte. Warum muss man gemeinsam essen und gemeinsam schlafen, wenn es so viele andere unterhaltsamer Dinge gibt, die man gemeinsam tun kann?“ (S. 55)
Sie liebt Gustav, will aber unkonventionell leben.
Ich mag den Schreibstil von Sundström sehr, sie erinnert mich ein bisschen an die Schreibe von Astrid Lindgren: klar, humorvoll und sehr direkt und dadurch sehr fesselnd und den Leser mitnehmend. Ich mag dieses Buch gar nicht aus der Hand legen.
Es lohnt sich auch ein Blick auf die Umschlaggestaltung. Das Titelbild wirkt fürsorglich und sentimental zugleich. Dadurch wird der Inhalt des Buches noch einmal unterstrichen. Beide Gesichter sind eher nachdenklich, genauso wie die Protagonisten.
Im Vorwort zu diesem Buch steht, dass „Die beste aller Beziehungen“ ein Roman ohne Verstellung ist. Er geht der Frage nach, wie man einer Beziehung treu sein und sich gleichzeitig verantwortungsbewusst gegenüber sich selbst verhält. Wie man leben kann, ohne zu heucheln.
Das hört sich ein wenig abgehoben an, trifft aber sehr genau die Stimmung in diesem Buch. Egal ob jünger oder älter erlebt man solche Dinge, wie sie im Buch beschrieben werden. Dadurch ist das Buch zeitlos und gleichzeitig ein Zeitdokument der Stimmung in den 1970ern.
Erzählt wird aus der Perspektive von Martina, was ebenfalls den Zeitgeist der erzählten Zeit trifft. Das Buch ist insgesamt ein Gesamtkunstwerk, das man in den Arm schließen und nie mehr loslassen möchte.