Typografische Qual und zähe Klischee-Parade

Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern Leerer Stern
roswitha-böhm-gedankenteiler Avatar

Von

Mein Urteil steht: Nein, dieses Buch würde ich definitiv nicht lesen wollen.

Das fängt schon beim Visuellen an: Das Layout wirkt durch den durchgehenden, fast schon aggressiven Schriftschnitt unruhig und anstrengend für die Augen. Statt den Lesefluss zu tragen, ermüdet dieses typografische Dickicht unglaublich schnell.

Inhaltlich bietet der Auftakt leider wenig, das mich wirklich fesseln könnte. Die Vorgeschichte um den vermenschlichten Sonnenstrahl, der Asteroiden als „Penner“ beschimpft und nach acht Minuten Flugzeit punktgenau auf einer roten Baseballmütze im Hinterhof landet, ist zwar ein skurriler Einfall, kippt aber tonal schnell ins Alberne.

Sobald die Handlung den Boden erreicht, verfällt der Text in eine Aneinanderreihung abgedroschener Jugendbuch-Schablonen: Wir haben Tom, dessen überbeschäftigte Tech-Eltern ihr Desinteresse mit teuren Gadgets wie einem Mini-Quantencomputer kompensieren; die tyrannische Drill-Oma, die den Jungen wie in einer Militärkaserne mit Liegestützen und warmer Milch mit Haut quält; dazu das Geschwisterpaar Alex und Möhre – er der waldbegeisterte Survival-Freak im Trainingswahn, sie die rothaarige Klavierspielerin, die von allen Jungs umschwärmt wird; und schließlich Pit, die hochbegabte Wissenschafts-Göre, die mit Fachartikeln um sich wirft und Polaroids von verrottendem Obst knipst.

Zwar blitzt hier und da ein treffender, trockener Spruch über Spießer-Nachbarn oder elterliche Ausreden auf, aber das rettet das Gesamtbild nicht. Die Figuren wirken wie grob gezimmerte Stereotype vom Reißbrett, die krampfhaft aufeinandertreffen müssen. Wenn eine Geschichte so schwerfällig aus den Startlöchern kommt und sich dabei noch typografisch sperrig liest, verliere ich schlicht die Geduld – für mich bietet der Auftakt keinen Anreiz zum Weiterlesen.