Gelungener Heldenauftakt mit Schwächen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
corbinian Avatar

Von

Das Begleiten von jungen Held*innen auf deren Abenteuern ist in Geschichten und Mythen der Welt als einheitliche Grundstruktur erkennbar. Auch heute wird es in vielen erfolgreichen Büchern, Filmen und Serien verwendet. Der Held mit den tausend Gestalten, so die wissenschaftliche Abhandlung, liefert dabei ein durchaus ein einheitliches Bild. Es geht um Individuation, der Selbstverwirklichung des Menschen für das allgemeine Gute nach der mutigen Konfrontation mit der freiwilligen eigenen Beschränktheit und dem eigenen Unbewussten. Soviel zur Wissenschaft. Jetzt zu aktuellen Beispielen. Harry Potter, Star Wars, Dune und Spiderman kann man hier nennen und man erkennt sofort das Muster, auch wenn es mal ein Held und mal mehr Held*innen sind.

Auch in Alexander von Rothes Die Grüne Sonne – Das Geheimnis von KAH geht es um jungen Held*innen. Diese erleben in der Reihe, deren Auftakt dieser Band ist, einige Abenteuer. Erschienen ist das Buch im Eigenverlag Ende September dieses Jahrs. Der Autor ist übrigens kein Unbekannter. Er ist ein auf Ibiza lebender Autor, Regisseur und Cartoonist. Bekannt wurde er durch Drehbücher (u. a. für Dirk Bach und Bastian Pastewka), TV-Moderationen, seine Schauspielrolle in Manta, Manta sowie langjährige Weltreisen für Formate wie Voxtours.

Das Buch
In seinem Auftakt zur Reihe begleiten wir Möhre, Alex, Pit und Tom. Die vier haben langweilige Ferien im heimischen Innenhof, bis sie über einen unterirdischen Geheimgang den verschrobenen Professor Aurelius Grünspan in seiner Badewanne treffen. Der Professor beauftragt die vier Freunde, die verstreuten Teile einer magischen Wunschmaschine vor bösen Schurken zu retten. An Bord ihres magischen Schiffs KAH segeln sie los und stellen sich in Ägypten mutig dem fiesen Scheich Kero-Sin, um das erste Teil zu finden.

Handwerkliches
Gleich vorweg, man merkt dem Buch den Eigenverlag gar nicht an. Es ist gut lektoriert und korrigiert. Die Geschichte selbst lebt von Klischees, aber auch von gut durchdachten Neuerungen, die es so noch nicht gab. Der Hintergrund ist dabei überzeugender als die Erlebnisse der vier Kinder. Die Geschichte ist spannend, manchmal etwas abstrus, aber nie wirklich schlecht. Das passt perfekt für ein junges Lesepublikum. Mich überzeugten die Protagonst*innen, die nicht nur wirklich realistisch sind, sondern sich auch rund entwickeln. Weniger gut kommen die Antagonisten daher, zu viel Klischees, zu viel Slapstick. Das ist schade. Trotzdem ist das Buch ein gelungener Auftakt der Reihe.

Fazit
Alexander von Rothes Die Grüne Sonne – Das Geheimnis von KAH ist ein spannender und gut lektorierter Auftakt im gewohnten Heldenmuster. Während die realistischen, sich entwickelnden jungen Protagonist*innen und die fantasievolle Welt absolut überzeugen, schwächeln die etwas zu klischeehaften und slapstickhaften Antagonisten. Alles in allem aber ein gelungenes und unterhaltsames Abenteuer für ein junges Lesepublikum.