Leise und nachhaltig berührend

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Es ist ein Buch was mich leise, aber nachhaltig berührt hat. Gisa Klönne erzählt von einer Ehe, die nicht zerbricht, sondern ins Wanken gerät und gerade dadurch so unglaublich nah wirkt. Kora und Anselm stehen an einem Punkt im Leben, den viele kennen. Äußere Rollen fallen weg und plötzlich bleibt die Frage wer man eigentlich noch ist. Füreinander und für sich selbst. Besonders stark fand ich Koras innere Bewegung nach der Herz-OP. Diese körperliche Zäsur macht sichtbar, wie fragil vermeintliche Sicherheiten sind. Ihre Flucht ist keine dramatische Abkehr, sondern eine stille Suche nach dem eigenen früheren Ich. Gleichzeitig wirkt Anselms Wunsch nach Nähe und seinem Libellenteich fast rührend. Ein schönes Bild für Hoffnung, Geduld und das Festhalten am Gemeinsamen. Der Roman urteilt nicht, er erklärt nichts überlaut. Er lässt Raum für Zweifel, Müdigkeit, Liebe und die Angst vor dem Älterwerden. Gerade diese Zurückhaltung macht ihn so stark. Für mich ist „Die Liebe, später“ ein ehrlicher, kluger Roman über lange Beziehungen, über Wandel und darüber, dass Liebe sich immer wieder neu erfinden muss. Ein Buch, das man nicht hastig liest, sondern mitnimmt vielleicht sogar ein Stück weit ins eigene Leben.