Melancholisch und eindrücklich

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jeanny354 Avatar

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Die Liebe, später. Was sich hinter dem Titel und dem Cover verbergen mag ahnte ich anfangs nicht. Es geht um Kora, eine Frau Anfang 60, die nach der Genesung einer schweren Operation anfängt, ihr Leben, kurz vor der Rente und mit ihrem langjährigen Partner, zu hinterfragen. Die Vergänglichkeit des Lebens macht ihr Angst und startet ein Gedankenkarussell, dass dem Buch eine große Melancholie gibt. Sie ist Journalistin und steht vor einer großen Entscheidung. Eher als Nebengeschichte wird sie privat darum gebeten, über eine verschwundene junge Frau zu berichten – die vielleicht dieselben Zweifel im Leben mit sich trug wie Kora nun.
Ich (w, 28) fand es sehr interessant, Gedanken aus der Sicht einer Frau in den Sechzigern zu lesen. Gedanken, die vielleicht jede*r kennt: Was, wenn ich den falschen Weg wähle? Was, wenn ich etwas verpasse? Was, wenn ich mein Leben nicht vollständig ausgelebt habe? Insbesondere als junge*r Erwachsene*r spielen diese Fragen oft eine Rolle. Doch das Buch zeigt, solche Gedanken haben in jedem Alter ihre Daseinsberechtigung. Ich fand viele Zitate und Passagen sehr stark, lehrreich und habe sie mir markiert. Sie regen zum Nachdenken an.
Das Buch war gut leserlich und verständlich. Der Schreibstil ist unheimlich ausdrucksstark. Es ist mit Witz und Charme geschrieben. Kora macht sich viele Gedanken, die uns Lesende in ihre Welt holen. Ihre Sorgen und Ängste fühlen sich nahbar und nachvollziehbar an. Es passiert dazu recht wenig Handlung. Sie reist zwischen zwei Städten hin und her, ihren Wurzeln und ihrer Gegenwart. Dabei trifft sie immer wieder auf vergangene und aktuelle Weggefährt*innen ihres Lebens und versucht, Entscheidungen für ihr weiteres Leben zu treffen. Sie ist spürbar hin- und hergerissen.
Ob und wie sie sich letztendlich entscheidet? Lest das Buch, es ist meine Empfehlung wert. 😊