Endstation Hoffnungslosigkeit

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Die ersten 32 Seiten des Romans wirken wie eine filmische Abwärtsspirale, die den Leser durch ihre ungeschönte Melancholie sofort gefangen nimmt. Matt Haig zeichnet das Porträt von Nora Seed nicht als heroische Tragödie, sondern als eine erschreckend alltägliche Aneinanderreihung von Niederlagen. Innerhalb kürzester Zeit verliert Nora alles, was ihrem Leben noch einen minimalen Halt gab: ihren Job, ihren letzten Klavierschüler und – besonders herzzerreißend – ihren Kater Volts.
Haig nutzt diese ersten Seiten meisterhaft, um das Gefühl der absoluten Überflüssigkeit zu beschreiben. Nora fühlt sich nicht einfach nur traurig; sie fühlt sich „ausgemustert“ von der Welt. Die Atmosphäre ist dicht und schwer, geprägt von dem erstickenden Gedanken, dass jede Entscheidung in der Vergangenheit zu dieser Sackgasse geführt hat. Besonders stark wirkt dabei die Metapher des „Schwarzen Lochs“, die Noras inneren Zustand beschreibt – ein Sog aus Bedauern und der Überzeugung, dass das Universum ohne sie besser dran wäre.
Der Einstieg ist schmerzhaft ehrlich, aber gerade deshalb so fesselnd. Wenn Nora schließlich an der Schwelle zwischen Leben und Tod in der Mitternachtsbibliothek landet, empfindet man als Leser keine Angst, sondern eine seltsame Erleichterung. Die ersten 32 Seiten sind ein tiefgreifendes Plädoyer für das Verständnis von Depressionen, verpackt in einen packenden erzählerischen Rhythmus, der die existenzielle Frage aufwirft: Was wäre, wenn wir die Chance bekämen, alles anders zu machen? Es ist ein düsterer, aber zutiefst menschlicher Auftakt, der neugierig auf die unendlichen Möglichkeiten der Bibliothek macht.