Liebe kennt kein Gestern

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stephy.12 Avatar

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Schon beim ersten Blick auf das Buch entsteht eine melancholische Erwartung. Das Cover wirkt - typisch für Matt Haig - auf Gewisse Art und Weise schlicht und ruhig, aber dennoch voller Bedeutung. Es strahlt eine Ruhe aus und gleichzeitig schwingt etwas Geheimnisvolles mit. Genau dieses Gefühl setzt sich auch in der Leseprobe fort, es wirkt so, als würden die Lesenden eingeladen werden, innezuhalten und zwischen den Zeilen zu lesen.Der Schreibstil ist sofort wiedererkennbar und sowohl klar und ruhig als auch voll Tiefe. Matt Haig schafft es, mit scheinbar einfachen Worten große Emotionen zu transportieren. Besonders die Szenen in Venedig wirken fast filmisch, so warm, lichtdurchflutet und voller Leben. Gleichzeitig liegt unter dieser Leichtigkeit eine Melancholie, die sich nach und nach entfaltet. Typisch für ihn ist auch, wie er Gedanken über Zeit, Erinnerung und Vergänglichkeit ganz selbstverständlich in die Handlung einwebt. Man liest nicht nur eine Geschichte, sondern denkt automatisch mit.Der Spannungsaufbau beginnt zunächst sehr sanft. Die Flitterwochen von Maggie und Wilbur wirken idyllisch, fast zu perfekt. Doch genau darin liegt die erste subtile Spannung, denn man spürt förmlich, dass dieses Glück nicht von Dauer sein wird. Spätestens mit dem Auftauchen des Doppelgängers kippt die Atmosphäre. Plötzlich schleicht sich etwas Unheimliches ein, das sich nicht sofort erklären lässt. Dieses Spiel zwischen Realität und etwas Übernatürlichem erzeugt eine Spannung, die neugierig macht.Die Figuren wirken dabei unheimlich greifbar. Maggie erscheint lebendig, warm und zugleich verletzlich. Sie ist eine Figur, die Stärke zeigt, aber auch Zweifel kennt. Wilbur hingegen ist besonders interessant, weil man ihn in zwei Lebensphasen erlebt. Zum einen als jungen, verliebten Mann und später als älteren, von Erinnerungen geprägten Menschen. Diese Gegenüberstellung macht ihn vielschichtig und menschlich. Ihre Beziehung fühlt sich echt und ehrlich an, mit all ihren Hoffnungen und Brüchen.

Was ich von der Geschichte erwarte, ist mehr als nur eine geradlinige Handlung. Der Mitternachtszug, der Bahnhof nach dem Tod und die Begegnung mit Agnes deuten darauf hin, dass es um Zeitreisen, alternative Lebenswege oder das erneute Durchleben von Entscheidungen gehen könnte. Vielleicht eine Reise durch verpasste Chancen, vielleicht auch eine zweite Möglichkeit, Dinge zu verstehen oder anders zu sehen. Genau diese Mischung aus Fantasie und emotionaler Realität macht neugierig.Ich würde das Buch unbedingt weiterlesen, weil es genau das verspricht, was ich an Matt Haig so schätze, nämlich Geschichten, die unterhalten und vor allem nachwirken. Es geht hier nicht nur um das „Was passiert als Nächstes“, sondern um die größeren Fragen: Liebe, Reue, Zeit und die Bedeutung unserer Entscheidungen. Die Leseprobe fühlt sich an wie der Anfang einer Reise, die nicht nur den Protagonisten, sondern auch die Lesenden selbst ein Stück verändert.