Zwischen Wehmut und Wunder

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Mich hat die Leseprobe sofort auf eine ganz besondere Art gepackt, weil sie etwas sehr Warmes und gleichzeitig etwas Unheimliches hat. Schon der Einstieg in Venedig ist wunderschön geschrieben: dieses junge Glück, die Leichtigkeit der Flitterwochen, die kleinen Gespräche zwischen Maggie und Wilbur, das Gefühl, als könnte dieser Moment für immer dauern. Gerade deshalb wirkt alles so stark, weil von Anfang an auch eine leise Melancholie mitschwingt. Man spürt beim Lesen sofort, dass hier nicht nur eine Liebesgeschichte erzählt wird, sondern auch etwas über Zeit, Erinnerung und Verlust.
Besonders gefallen hat mir, wie sanft die Geschichte dann ins Rätselhafte kippt. Erst diese kleinen Irritationen in Venedig, dann der Sprung viele Jahrzehnte weiter zu Wilbur als altem Mann, und schließlich dieser Übergang in etwas fast Traumhaftes mit dem Bahnhof und dem Mitternachtszug – das ist unglaublich stimmungsvoll. Dabei wirkt es nie aufgesetzt oder künstlich, sondern so, als würde sich das Fantastische ganz natürlich aus Wilburs Leben und seinen Erinnerungen heraus entwickeln. Genau das mochte ich sehr.
Wilbur selbst fand ich als Figur sofort berührend. Man merkt, wie viel in ihm steckt: Liebe, Reue, Sehnsucht, Einsamkeit und dieses Bedürfnis, noch einmal zu verstehen, was im eigenen Leben eigentlich wichtig war. Auch Maggie bekommt in wenigen Szenen schon so viel Ausstrahlung, dass ihre gemeinsame Geschichte direkt Gewicht bekommt. Der Schreibstil ist dabei typisch Matt Haig: ruhig, zugänglich, klug und emotional, ohne zu schwer zu werden. Für mich verspricht die Leseprobe deshalb einen Roman, der nicht nur fantasievoll ist, sondern auch sehr menschlich und tiefgehend. Ich erwarte eine Geschichte, die ans Herz geht, ein bisschen weh tut und gleichzeitig etwas Tröstliches hat – und genau diese Mischung macht sie für mich so besonders.