Wenn die Nachbarschaft zum Albtraum wird...

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Cover & Gestaltung
Das Cover ist ein absoluter Blickfang und hat mich sofort magisch angezogen. Der leuchtend gelbe Rahmen bildet einen genialen Kontrast zu der düsteren, fast schon unheimlichen Szenerie. Die beiden Häuser, die den Blick auf den spiegelglatten, dunklen See unter dem Vollmond freigeben, erzeugen sofort eine beklemmende Nachbarschaftsatmosphäre, die durch den einsamen Teddybären auf dem Rasen noch verstärkt wird. Besonders gut gefallen mir beim Reinlesen auch die angenehme Schriftart und die wunderbar kurzen Kapitel, die das Lesen herrlich dynamisch machen und perfekt für zwischendurch sind.

Schreibstil & Atmosphäre
Da ich schon andere Bücher von Svenja Diels kenne, habe ich mich riesig auf ihr Werk unter dem Pseudonym Nova Winter gefreut, und sie enttäuscht mich wirklich nicht. Ihr Schreibstil ist gewohnt entspannt und flüssig zu lesen und baut ab der ersten Seite eine greifbare, psychologische Spannung auf. Die Atmosphäre wechselt meisterhaft zwischen zwei Extremen. Auf der einen Seite ist da die absolute, beängstigende Dunkelheit, in der Fabian mit schmierigem Blut am Kopf aufwacht, feuchte Steine ertastet und das befreiende, aber auch unheimliche Klopfen hört. Auf der anderen Seite steht die klaustrophobische Enge des Schwarzwalds. Die Szenen sind so bildhaft beschrieben, dass ich das Gefühl der Ohnmacht im eiskalten Wasser, als Smilla den Jungen rettet, ihr Brustkorb verkrampft und sie gemeinsam in die Tiefe des Sees sinken, förmlich selbst gespürt habe.

Charaktere & Erwartungen
Die Charaktere haben mich sofort fasziniert. Smilla ist eine herrlich unperfekte Protagonistin. Sie jammert beim Joggen innerlich über ihre schweren Beine, ist Patissière auf Stellensuche, hasst Small Talk und liebt es, Reality-TV zum Abschalten zu gucken. Ihr Mann Jonas wirkt unglaublich nahbar und liebevoll, wie er ihr nach dem Schock einen Tee kocht, sie mit Badeschaum neckt und ihr emotionaler Anker ist. Die Nachbarn hingegen werfen totale Rätsel auf. Lou wirkt mit ihren tiefen Augenringen, den Wollhausschuhen und dem beigen Cardigan wie ein verängstigtes Häufchen Elend, das Moritz per Babycam überwacht. Ihr Mann Quentin ist das komplette Gegenteil. Er kocht ein Schmorgericht in einer riesigen Designerküche aus Sichtbeton, schenkt Champagner aus und schwingt Reden wie der große Gatsby, während er Smillas Hand viel zu lange festhält. Ich erwarte hier ein extremes psychologisches Verwirrspiel, bei dem hinter der perfekten Fassade der Nachbarn ein Abgrund lauert.

Warum ich weiterlesen möchte:
Ich muss einfach wissen, was in dieser Nachbarschaft gespielt wird. Wie kann Smilla diese tiefe, absolute Gewissheit im Bauch spüren, dass Moritz ihr Sohn ist, obwohl sie nie schwanger war und eigentlich gar keine Kinder möchte? Und wer ist der Junge Fabian, der in diesem düsteren Steingewölbe festsitzt und verzweifelt mit einem Besenstil gegen die Wand schlägt? Da die Inhaltsangabe andeutet, dass bald alle Beteiligten anfangen zu lügen und selbst Jonas ihr fremd wird, bin ich unfassbar neugierig auf den Plot und würde mich riesig freuen, dieses Rätsel entschlüsseln zu dürfen.