Gelungenes Psychospiel mit Knalleffekt

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Smilla und Jonas sind frisch in den Schwarzwald gezogen. Sie wollen nach Smillas überstandener Krebserkrankung komplett neu anfangen. Da gellt ein Schrei durch den Morgen. Smilla sieht im eiskalten See ein kleines Kind und rettet es, ohne zu überlegen. Dann geschehen zwei Dinge fast zeitgleich. Sie hat die unsinnige Gewissheit, dass dies ihr Kind ist. Und die Mutter des kleinen Jungen reagiert sehr schroff und aggressiv auf Smilla. Am nächsten Tag stellt sie fest, dass sie nebenan wohnt. Während Quentin Smilla überaus dankbar für die Rettung seines kleinen Moritz ist, bleibt Lou abweisend und verschlossen. Für Smilla wird die Situation immer unerträglicher.

Durch weite Strecken der Story zieht sich ein gruseliges Gefühl, weil man einfach nicht weiß, warum Lou so handelt. Bald fragt man sich, was mit Smilla nicht stimmt, denn sie erlebt immer wieder Situationen, die nicht der Realität entsprechen können. Schon der Gedanke und das Gefühl, dass Moritz ihr Kind ist, lässt sie selbst an ihrer Verfassung zweifeln. Sie hat nie ein Kind geboren und möchte auch keine Kinder haben. Jonas dagegen ist ganz vernarrt in Moritz. Das wundert Smilla wenig, denn sein Kinderwunsch ist groß und der Grund für Spannungen in ihrer Ehe.

Nach und nach kommen Dinge ans Licht, die den Spannungsbogen immer mehr erhöhen und das Rätsel noch größer machen. Smilla traut sich und keinem anderen mehr und das kann man bestens nachempfinden, weil es einem nicht anders ergeht. Nova Winter hat mit genialen Einfällen viele Wendungen in den Thriller integriert, die unvorhergesehen, aber stimmig sind. Sie lässt Smilla in immer neue unfassbare Situationen geraten. Smilla bekommt seltsame Nachrichten, entdeckt Unfassbares, muss an ihrem Mann erschreckende Veränderungen wahrnehmen und traut ihren eigenen Sinnen nicht mehr.

Die Figuren sind nicht überzeichnet. Man darf und kann sie sich gut vorstellen und hat ständig einen Film im Kopf. Bei mir kam schnell eine Abwehrhaltung auf. Ich habe echt niemandem mehr Gutes zugetraut! Man wird geradezu durch den Thriller gehetzt und kann keine Pause einlegen. Das nennt man dann wohl Sogwirkung! Die Auflösung ist der Hammer und kommt mit einem frechen, genialen Knalleffekt um die Ecke. Anne Düe hat das Buch perfekt eingelesen und den Figuren eigene Stimmen gegeben. Einen kleinen Abzug nehme ich vor, weil manche Szenen besser ausgebaut hätten werden sollen, müssen, können und gewisse Punkte zu oberflächlich abgetan worden sind. Dennoch strahlen hier vier Sterne besonders hell!