interessant konstruiertes Szenario
Der Thriller hat einen aufregenden und ansprechenden Schreibstil, mit Plots am Ende des Kapitels, die zum Weiterlesen anregen, somit ist ein klassischer Page-Turner. Man findet sich als Leser*in ohne lange Vorgeschichte sogleich mitten im Geschehen, indem Smilla den kleinen Nachbarsjungen vor dem Ertrinken rettet und bald auch schon an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln beginnt. Dass die beiden Familien, die nebeneinander mehr gemeinsam haben, als es auf den ersten Blick erscheint, verfestigt sich mit der Zeit immer weiter und gleichzeitig werden auch die Zweifel darüber, wem man vertrauen kann und was der Realität entspricht immer größer. Dieser Mechanismus wird konsequent durchgezogen und hier spielt die Autorin erfolgreich mit den Leser*innen. Zudem steigert sich mit der Zeit das Tempo, in dem die Ereignisse geschehen, auch wenn ich hier anmerken muss, dass dies einerseits die Geschichte am Laufen und spannend hält, aber auf der anderen Seite wäre weniger besser gewesen. Es sind nicht alle Wendungen klar und deutlich nachvollziehbar und nicht alle Aktionen realistisch und glaubwürdig gelungen. Dennoch ist der emotionale Nervenkitzel permanent vorhanden und auch die Unsicherheit, wer als glaubwürdige Quelle an Informationen dient und wer nicht, finde ich spannend umgesetzt. Bei der Auflösung wird sehr weit ausgeholt, aber es werden am Ende alle losen Fäden zusammengefügt und alle offenen Fragen beantwortet.