Waghalsiges Tempo und gewisse Schwächen
Da mein Sommer bislang von wenig Thriller begleitet war, hat mich „Die Nachbarin“ von Nova Winter sofort angezogen. Es ist optisch und vom Titel sicherlich an der aktuellen Thriller-Queen Freida McFadden ausgerichtet, aber das ist nicht schlimm. Eine kurze Recherche hat auch ergeben, dass es sich bei „Die Nachbarin“ nicht um ein Debüt handelt, stattdessen ist es das Pseudonym von Svenja Diel, die schon Thriller geschrieben hat, wenn ich diese auch nicht gelesen habe. Also für mich eine neue Autorin und rein geht es in meine Einschätzung.
Optisch mag es Parallelen zu McFadden gegeben haben, aber inhaltlich ist es doch ein ganz anderer Thriller. Ich musste fast mehr an Chris Carter denken, wenn das auch vor allem an den extrem kurzen Kapiteln liegt. Das hat nämlich wahnsinnig geholfen, durch das Buch regelrecht zu pflügen, weil da ein stetiger Rhythmus drin war. Da Diel auch als Drehbuchautorin tätig ist, finde ich, dass diese Tätigkeit sich auch gut erkennen lässt. Wir haben zwar zu Anfang eher konstant Smillas Perspektive, aber spätestens ab der Hälfte haben wir auch ständige Szeneriewechsel und das kennt man von TV ja auch viel und das ist für die Dynamik ebenfalls nicht schlecht. Insgesamt liest sich wohl schon raus, dass „Die Nachbarin“ echt sehr fix zu lesen war, langweilig wurde mir auch nie und weil da so ein Tempo drin war, habe ich auch nicht so extrem viel nachgedacht.
Dennoch habe ich Aspekte gefunden, die für mich „Die Nachbarin“ zwar definitiv einen Versuch wert machen, aber auch nicht mehr. Das liegt bei mir vor allem bei der Charaktergestaltung und bei der inhaltlichen Entwicklung begründet. Wir haben letztlich vier Figuren, die sehr prominent in der Geschichte sind, neben Smilla noch Jonas, Quentin und Lou und wir haben noch ein paar kleinere Rollen, die aber eher unbedeutend bleiben. Man könnte also sagen, wenig Figuren, mehr Raum sie auszugestalten, aber das fand ich eher nicht so. Für mich wirkte es sehr so, dass wir einen sehr momentanen Zustand abgebildet bekommen. Ein paar Geheimnisse der Vergangenheit werden natürlich aufgedeckt, aber es geht weniger darum, die Figuren richtig zu ergründen und aufzubauen und das sorgt unweigerlich für eine emotionale Distanz. Ich kann zwar auch verstehen, dass das nicht in Winters Interesse war, um alle Figuren maximal suspekt zu halten, aber man kann Figuren auch suspekt gestalten und trotzdem ergründen, das schließt sich für mich nicht aus. Ich glaube im Grunde sogar, dass die beiden männlichen Rollen besser gelungen sind, während die Frauen für mich eher eindimensional blieben. In ihren Kapiteln habe ich sie jeweils gut verstanden, aber sobald die Perspektive wegfiel, da fehlte mir doch einiges.
Beim Inhalt muss ich sagen, dass die Ausgangslage echt cool fand. Schon der Klappertext, der die Rettung des Kindes verrät und Smilla denkt, er sei ihr Kind, obwohl es nicht sein kann, das hat mich richtig neugierig gemacht und von da aus geht die Geschichte dann auch rasant los. Ein paar Gedanken waren mir zwischendurch zu offensichtlich, ein paar Sätze haben zu viel verraten. Hier fehlte mir eine bessere Verschleierung. Andere Passagen waren wieder besser gestaltet, weil sie genau das rechte Maß an mysteriös hatten. Insgesamt fand ich die Handlung mit allen Auflösungen mittelprächtig. Wenn man alles nochmal abwiegt, dann ist es vielleicht ein bisschen zu viel geworden, vor allem wenn man die Seitenzahl bedenkt. Auch die Vorhersehbarkeit spielt da eine Rolle, wenn auch für mich persönlich überraschend nicht so gravierend, denn da gewann dann wieder das Tempo der Geschichte. Aber für die Seitenanzahl wäre etwas weniger mehr gewesen und man hätte die gewonnene Erzählzeit mehr auf die Charakterentwicklung aufwenden können.
Fazit: „Die Nachbarin“ punktet mit einer Sache sehr konsequent: Hier wird garantiert niemandem langweilig, denn die sehr kurzen Kapitel und die Tatsache, dass auch ständig was Suspektes passiert, zieht sehr gut. So denkt man auch weniger beim Lesen. Dennoch fand ich die Geschichte charakterlich und in den inhaltlichen Zusammenhängen noch ausbaufähig. Empfehlen kann ich die Lektüre problemlos, aber es wäre auch noch deutlich mehr drin gewesen.
Optisch mag es Parallelen zu McFadden gegeben haben, aber inhaltlich ist es doch ein ganz anderer Thriller. Ich musste fast mehr an Chris Carter denken, wenn das auch vor allem an den extrem kurzen Kapiteln liegt. Das hat nämlich wahnsinnig geholfen, durch das Buch regelrecht zu pflügen, weil da ein stetiger Rhythmus drin war. Da Diel auch als Drehbuchautorin tätig ist, finde ich, dass diese Tätigkeit sich auch gut erkennen lässt. Wir haben zwar zu Anfang eher konstant Smillas Perspektive, aber spätestens ab der Hälfte haben wir auch ständige Szeneriewechsel und das kennt man von TV ja auch viel und das ist für die Dynamik ebenfalls nicht schlecht. Insgesamt liest sich wohl schon raus, dass „Die Nachbarin“ echt sehr fix zu lesen war, langweilig wurde mir auch nie und weil da so ein Tempo drin war, habe ich auch nicht so extrem viel nachgedacht.
Dennoch habe ich Aspekte gefunden, die für mich „Die Nachbarin“ zwar definitiv einen Versuch wert machen, aber auch nicht mehr. Das liegt bei mir vor allem bei der Charaktergestaltung und bei der inhaltlichen Entwicklung begründet. Wir haben letztlich vier Figuren, die sehr prominent in der Geschichte sind, neben Smilla noch Jonas, Quentin und Lou und wir haben noch ein paar kleinere Rollen, die aber eher unbedeutend bleiben. Man könnte also sagen, wenig Figuren, mehr Raum sie auszugestalten, aber das fand ich eher nicht so. Für mich wirkte es sehr so, dass wir einen sehr momentanen Zustand abgebildet bekommen. Ein paar Geheimnisse der Vergangenheit werden natürlich aufgedeckt, aber es geht weniger darum, die Figuren richtig zu ergründen und aufzubauen und das sorgt unweigerlich für eine emotionale Distanz. Ich kann zwar auch verstehen, dass das nicht in Winters Interesse war, um alle Figuren maximal suspekt zu halten, aber man kann Figuren auch suspekt gestalten und trotzdem ergründen, das schließt sich für mich nicht aus. Ich glaube im Grunde sogar, dass die beiden männlichen Rollen besser gelungen sind, während die Frauen für mich eher eindimensional blieben. In ihren Kapiteln habe ich sie jeweils gut verstanden, aber sobald die Perspektive wegfiel, da fehlte mir doch einiges.
Beim Inhalt muss ich sagen, dass die Ausgangslage echt cool fand. Schon der Klappertext, der die Rettung des Kindes verrät und Smilla denkt, er sei ihr Kind, obwohl es nicht sein kann, das hat mich richtig neugierig gemacht und von da aus geht die Geschichte dann auch rasant los. Ein paar Gedanken waren mir zwischendurch zu offensichtlich, ein paar Sätze haben zu viel verraten. Hier fehlte mir eine bessere Verschleierung. Andere Passagen waren wieder besser gestaltet, weil sie genau das rechte Maß an mysteriös hatten. Insgesamt fand ich die Handlung mit allen Auflösungen mittelprächtig. Wenn man alles nochmal abwiegt, dann ist es vielleicht ein bisschen zu viel geworden, vor allem wenn man die Seitenzahl bedenkt. Auch die Vorhersehbarkeit spielt da eine Rolle, wenn auch für mich persönlich überraschend nicht so gravierend, denn da gewann dann wieder das Tempo der Geschichte. Aber für die Seitenanzahl wäre etwas weniger mehr gewesen und man hätte die gewonnene Erzählzeit mehr auf die Charakterentwicklung aufwenden können.
Fazit: „Die Nachbarin“ punktet mit einer Sache sehr konsequent: Hier wird garantiert niemandem langweilig, denn die sehr kurzen Kapitel und die Tatsache, dass auch ständig was Suspektes passiert, zieht sehr gut. So denkt man auch weniger beim Lesen. Dennoch fand ich die Geschichte charakterlich und in den inhaltlichen Zusammenhängen noch ausbaufähig. Empfehlen kann ich die Lektüre problemlos, aber es wäre auch noch deutlich mehr drin gewesen.