Wer zieht hier die Fäden?

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Der Roman „Die Queen von Mayfair“ spielt im viktorianischen London und knüpft an „Mayfair House“ an. Ohne den Vorgängerroman zu kennen, lässt er sich auch ohne Vorkenntnisse gut lesen und verstehen: Quinn treibt ein Spiel mit der High Society, denn sie will sich einen lukrativen Junggesellen angeln. Dabei schlüpft sie gekonnt in eine Rolle. Sie ist die Königin eines Spiels, das sie selbst perfekt beherrscht. Nach klaren Regeln läuft ihr Plan ab, die Schlinge zieht sich enger um die Beute. Was sie jedoch nicht ahnt, ist, dass nicht nur sie ein Spiel spielt. Die Macht der Intrigen zieht mehrere Fäden, und jeder, der sich auf das Netz einlässt, wird selbst Teil des Spiels.

Mir persönlich gefallen besonders die Charaktere, da sie scharf gezeichnet sind: interessante Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, Geheimnissen und spannenden Familienhintergründen. Niemand bleibt blass; alle wirken lebendig und fesselnd. Wie die Tage des Spiels fortschreiten, so lernt der Lesende auch die Figuren näher kennen, erfährt deren Hintergründe und Beweggründe und erlebt als außenstehender Betrachter, wie sich die Fäden der Geschichte durch die Beziehungen der Figuren miteinander verweben.

Die Story baut sich logisch und stetig auf, tagtäglich mit der Auflistung der einzelnen Tage. Sie treibt zielstrebig auf den Höhepunkt zu. Mit jedem Einblick in das Leben der Protagonisten gewinnt der Lesende einen leichten Vorteil gegenüber den Figuren und kennt schon Details, die ihnen noch verborgen sind. Doch dieser Wissensvorsprung sorgt gerade dafür, dass die Spannung bleibt. Man wird so tief ins Intrigennetz gezogen, dass das Buch sich zu einem echten Pageturner entwickelt.

Alex Hay gelingt es, die viktorianische Atmosphäre greifbar zu machen, Rauch, Prosa, feine Spitze und der Geruch von Macht. Die Erzählung ist in angenehmem Schreibstil gehalten, lässt sich flüssig verfolgen, doch manchmal aufgrund der unvorhergesehenen und plötzlichen Wendungen ein wenig zu sprunghaft. Alles in allem ist der Roman jedoch sehr unterhaltsam und der einzige echte Kritikpunkt für mich ist das Ende, das mich eher unbefriedigt zurück lässt. Gefallen hat mir aber, wie aus den einzelnen Geheimnissen und den Beziehungen der Figuren ein dichtes Netz aus Spannung entsteht, das sich Kapitel für Kapitel enger zieht.

So lässt sich sagen, dass „Die Queen von Mayfair“ ein starkes Nachfolgewerk ist, das auch ohne Vorkenntnisse aus „Mayfair House“ gut zu lesen ist. Es bietet lebendige Figuren, eine durchdachte, schrittweise erzählte Handlung und eine düstere Faszination für Machtspiele in einer glitzernden, gefährlichen Welt. Wer Intrigen, feine psychologische Spannung und viktorianische Atmosphäre mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Empfohlen für Lesende, die clevere, scharfsinnige Charaktere mögen, bei denen jedes Wort sitzt und jeder Blick eine Absicht verrät.