Milde Melancholie

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„Die Rätsel meines Großvaters“ von Masateru Konishi knüpft in ruhigem Ton an den ersten Band an und verbindet episodische Kriminalfälle mit einer stillen Betrachtung von Erinnerung, Vergänglichkeit und familiärer Bindung. Die Grundidee um Kaedes an Lewy-Körper-Demenz erkrankten Großvater besitzt durchaus Reiz, zumal seine Halluzinationen und geistigen Schwankungen nicht bloß als tragisches Motiv dienen, sondern zugleich die eigentümliche Perspektive eines Menschen eröffnen, der Wirklichkeit und Erzählung anders ordnet als seine Umgebung.

Die einzelnen Fälle lesen sich angenehm und mit einer gewissen erzählerischen Eleganz, bleiben jedoch meist im Bereich leichter Unterhaltung. Wirklich herausfordernd oder philosophisch vertieft wirkt der Roman selten. Vielmehr lebt er von Atmosphäre, zwischenmenschlicher Wärme und jener milden Melancholie, die über vielen japanischen Gegenwartsromanen dieser Art liegt. Besonders gelungen erscheint dabei die wiederkehrende Frage, welche „Geschichte“ man aus einem Ereignis macht — ein Motiv, das dem Buch einen literarischen Zusammenhalt verleiht.

Auch die äußere Gestaltung überzeugt. Der Farbschnitt mit Ahornblättern und das zurückhaltend gestaltete Cover passen stimmig zur ruhigen, beinahe kontemplativen Grundstimmung des Romans.