Sehr unterhaltsam

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holzfrieden Avatar

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Das neue Buch von Kristof Magnusson „Die Reise ans Ende der Geschichte“ führt den Leser in die Neunzigerjahre, eine Zeit, die geprägt ist von großen politischen Veränderungen. Das Verhältnis zu Osteuropa und Russland war entspannter, es gab eine Aufbruchstimmung, alle dachten, die Welt wird eine bessere werden. Im Mittelpunkt steht der junge Dichter Jakob Dreiser, der ohne es zu wollen, zum Spion mutiert. Ein weiterer Protagonist ist der Geheimdienstmitarbeiter und Doppelagent Dieter Germeshausen, der dringend untertauchen muss. Für seine Tarnung entscheidet er sich, Jakob Draiser zu verwenden. Und so geht die Geschichte los.
Das Buch ist keinem Genre 100-prozentig zuzuordnen. Es ist eine Mischung aus Krimi, Komödie, eher fast Satire. Und das ist auch gleichzeitig die schwäche des Buches, denn Magnusson gleitet manchmal ins absurde ab, was mir persönlich manchmal zu viel ist.
[„Sagen Sie mal, sind Sie wirklich beim BND oder war das eben eines von diesen Spielchen?“, fragte Jakob. (…) Dieter Germeshausen musste jetzt ein sagen. Hätte es längst tun sollen. Nun musste er wirklich zurückrudern und etwas ganz Langweiliges erzählen, das ihn ein bisschen einfältig erscheinen ließ. Er hatte sich immer gerne als unbedeutenden Verwaltungsbeamten dargestellt, mit einem Aufgabenbereich, so langweilig, dass er nicht der Rede wert war.] (S. 48f.)
Dieses Zitat macht sehr schön deutlich, dass Jakob nicht so naiv ist, wie Germeshausen denkt, dieser es aber nicht durchschaut. Solche und ähnliche Situationen folgen in überspitzter Form an vielen Stellen dieses Buches.
Ich habe es gern gelesen, da dieser Spionageroman ohne großes Blutvergießen und brutale Szenen auskommt und trotzdem einen, wenn auch etwas absurden Einblick, in das Leben der Agententätigkeit gibt.