Die Riessberger-Frauen

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anne_kaffeekanne Avatar

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"Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" S. 102)

Liese ist in den 60er Jahren unglücklich in ihrer Ehe, einzig ihre Tochter Cora liebt sie über alles. In ihrem Heimatdorf im Schwarzwald sind die beiden Außenseiterinnen, können ihrer Verwurzelung dort aber trotzdem nicht entkommen.
Wir begleiten die Familie von der Großmutter bis zur Enkeltochter. Männer sind meist abwesend oder es ergeht ihnen schlecht, die Frauen der Familie hingegen halten zusammen. in poetisch-melancholischer Sprache wird der Alltag beschrieben. Keiner der Protagonistinnen mag der Ausbruch und die Suche nach etwas Größerem irgendwo anders so recht gelingen. Und ist das überhaupt erstrebenswert?
Gerade in der Mitte zieht sich die Handlung etwas. Man kommt den Figuren nicht so recht nah und auch tragische Ereignisse werden lakonisch abgehandelt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Protagonistinnen ihre Gefühle nicht zulassen können oder wollen. Als Leserin hat mich das jedoch außen vor gelassen und ich konnte nicht so recht mitfühlen. Es liegt eine melancholische Schwere auf dem Text, die mir die Lektüre nicht leicht gemacht hat, andererseits gibt es auch immer mal wieder poetische Sätze, die zum Nachdenken anregen.
Die Atmosphäre und die Sprache machen das Buch lesenswert, auch wenn es mir ab und an etwas zu schwermütig und distanziert war, deswegen runde ich auf 4 Sterne auf.