Epochaler Roman.

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"Die Schwester des Tänzers" von Eva Stachniak wirkt auf mich fast epochal, da die Geschichte einen so langen Zeitraum umfasst.

Nun aber zunächst (grob) zum Inhalt:
Dieser Roman handelt von Bronislawa Nijinska und ihrem berühmten Bruder Waslaw Nijinsky. Sie wachsen in einer Tänzer-Familie auf und gehen beide auch auf die Kaiserliche Ballettschule in Sankt Petersburg.
Insbesondere Waslaw wird bekannt für sein ausgesprochen großes Talent.
Nach der Ballettschule fangen sie am renommierten Mariinski-Theater in Sankt Petersburg an. Langfristig zieht es sie aber nach Europa, wo sie für Sergei Pawlowitsch Djagilew bei seiner Kompanie "Ballets Russes", die ständig durch Europa tourten.
Die Geschichte verläuft dabei nicht geradlinig; es kommt zu Kriegen, Revolutionen usw.

Vom Umfang dieses Romans bin ich beeindruckt. Es enthält so viele verschiedene Geschichten und Anekdoten, das einem wirklich nie langweilig wird.
Immer geht die Geschichte (irgendwie) weiter.
Der Sprachstil ist dabei flüssig zu lesen. Er ist aber variabel. Mal ist er kurz und abgehackt, mal fast philosophisch und mal erzeugt er sehr schöne sprachliche Bilder.
Auch die Charaktere des Romans gefallen mir gut. Sie sind nicht eindimensional, sondern sehr vielschichtig. Man kann sie nicht direkt durchschauen.
Mir gefallen insbesondere die Mutter von Bronislawa und Waslaw, "Mamusia", und auch Djagilew, aber eigentlich mag ich sie alle.
Es kommt auch viel von der Stimmung an den Orten rüber, was ich besonders gemerkt habe beim kaiserlichen Sankt Petersburg und bei Kiew.
Das Ende des Buches ,finde ich, wurde demgegenüber etwas zu schnell fokussiert (zumindest in Relation zum sonstigen Romaninhalt) und ist etwas farblos, es fehlt etwas, hab ich das Gefühl.

Insgesamt kann ich aber das Buch nur loben, vor allem was die tollen Szenerien und (Neben-) Geschichten angeht. Auch der Schreibstil ist abwechslungsreich und oft kunstvoll.
Kurz charakterisierend kann man sagen: "Epochaler Roman"!
Er wirkt auf mich mythisch und einzigartig.