Kein Ich, nur Wir

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lucieliest Avatar

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Ich habe schon die Spiegelreisenden Bücher der Autorin gelesen und sehr geliebt, deswegen Habe ich mich mich sehr auf das neue Buch gefreut.
Mit Die Spur der Vertrauten hat Christelle Dabos eine sehr besondere und nachdenkliche Geschichte geschrieben. Die Welt, in der Claire und Goliath leben, hat mich sofort fasziniert, aber gleichzeitig auch beunruhigt. In dieser Gesellschaft zählt nur das "Wir". Jeder Mensch soll dem Allgemeinwohl dienen, Individualität gibt es nicht. Claire steht kurz vor ihrem Abschluss an der Schule der Vertrauten. Sie weiß genau, wie gefährlich es ist, aus der Reihe zu tanzen. Doch als ein Schüler verschwindet und niemand außer ihr das zu bemerken scheint, beginnt sie Fragen zu stellen. Goliath wiederum kämpft gegen die Zeit, denn er hat nur wenige Wochen, um das Leben eines anderen Menschen zu retten. Nur so kann er sein Ziel erreichen und ein sogenannter "Tugendhafter" werden. Die beiden tun sich zusammen, um die Vermisstenfälle zu untersuchen. Dabei geraten sie immer tiefer in ein Netz aus Geheimnissen, Lügen und Regeln, die man nicht hinterfragen soll. Besonders spannend fand ich, wie sich langsam zeigt, dass in dieser perfekten Welt nicht alles so gut ist, wie es scheint. Der Schreibstil finde ich sehr gut. Die Figuren wirken glaubwürdig, vor allem Claire, die zwischen Pflicht und eigenem Denken hin- und hergerissen ist. Das Ende allerdings lässt mich etwas ratlos zurück.
Die Spur der Vertrauten ist eine kluge, spannende und düstere Geschichte, die zeigt, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und sich selbst treu zu bleiben.
Ein Buch, das mich nach dem Lesen noch lange beschäftigt hat.