Den Bewohnern "aufs Maul geschaut"
Robert Seethaler hat in den letzten Jahren einige sehr gut bewertete Bücher geschrieben, „Der Trafikant“ hat es sogar in die Oberstufenlektüre des Leistungskurses Deutsch in Baden-Württemberg und NRW gebracht.
Anfang 2026 wurde das neue Buch „Die Straße“ veröffentlicht. Es ist gut, dass es am Anfang im Klappentext eine kurze Erklärung zum Inhalt gibt. Ich hätte mich sonst im Buch verloren und überhaupt keinen Überblick gehabt. Die Episoden reihen sich nämlich unzusammenhängend aneinander und es braucht seine Zeit, bis man weiß oder ahnt, um wen es gerade geht.
Die Handlung spielt offenbar in einer österreichischen Stadt, aber es könnte überall sein. Die Straße heißt Heidestraße und sie wurde im 19. Jh. angelegt und wuchs schnell, aber unkontrolliert.
Wie in lange bestehenden Straßen üblich, hat sich eine gewisse Infrastruktur gebildet, es gibt eine Bäckerei, einen Blumenladen, ein Altersheim und zwei Kneipen, in denen man auch essen kann.
Manche Bewohner wohnen schon ewig in der Heidestraße, selbst die Eltern und Großeltern waren schon dort ansässig. Nun aber sind Änderungen angekündigt. Eine Wohnungsbaugesellschaft hat die Heidestraße entdeckt und will die Wohnungen leerräumen, um entweder neu zu bauen oder die Wohnungen zu sanieren und dann teurer zu vermieten. Den langjährigen Mietern wird empfohlen, sich neue Wohnungen zu suchen.
Aber es werden auch andere Schicksale oder Angelegenheiten beleuchtet:
• Ein Junge holt mit seiner Steinschleuder heimlich Tauben vom Himmel
• Die Heimbewohner beklagen sich über immer schlechter werdendes Essen, das Heim leidet unter Kostendruck
• Ein Antiquar hat einen kleinen Laden angemietet, der aber nicht läuft
• Ein Wohnungsloser erfriert in der Winterkälte
• Ein Festkomitee plant ein Straßenfest im November und zerstreitet sich zunächst einmal, bis dann doch einer Verwirklichung nichts mehr im Wege steht. Während des Festes kommt es zu Handgreiflichkeiten, bei denen ein junger Polizist verletzt wird.
Seethaler versteht es, sich in die Sprache seiner Protagonisten hineinzuversetzen. Polizei und Magistrat befleißigen sich eines für Normalbürger fast unverständlichen Amtsdeutsches, schlagende Ehemänner pöbeln mit ihren unterlegenen Frauen, die aber letztendlich doch wieder zu ihnen halten. Und die Bäckersfrau kehrt nach kurz geäußerter Anteilnahme ganz schnell zum Geschäft zurück und fragt nach der Anzahl der gewünschten Semmeln.
Die Makler verstecken ihre wahren Absichten hinter vermeintlich sozialen Begründungen und wohlmeinenden Absichten. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, um ihre Ziele zu erreichen, gerne auch die Bestechung des gegnerischen Anwalts.
Der Autor hat sozusagen dem Volk „aufs Maul geschaut“ und stellt damit auch die Verschiedenartigkeit der Bewohner der Heidestraße dar.
Gerade bei den Verlautbarungen des Magistrats in köstlichem Beamtendeutsch, das großspurig und wichtig klang, aber doch relativ nichtssagend war, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Allerdings brauchte ich doch eine zweite Leserunde, um mich besser zurechtzufinden und die einzelnen Episoden den verschiedenen Protagonisten zuordnen zu können.
Anfang 2026 wurde das neue Buch „Die Straße“ veröffentlicht. Es ist gut, dass es am Anfang im Klappentext eine kurze Erklärung zum Inhalt gibt. Ich hätte mich sonst im Buch verloren und überhaupt keinen Überblick gehabt. Die Episoden reihen sich nämlich unzusammenhängend aneinander und es braucht seine Zeit, bis man weiß oder ahnt, um wen es gerade geht.
Die Handlung spielt offenbar in einer österreichischen Stadt, aber es könnte überall sein. Die Straße heißt Heidestraße und sie wurde im 19. Jh. angelegt und wuchs schnell, aber unkontrolliert.
Wie in lange bestehenden Straßen üblich, hat sich eine gewisse Infrastruktur gebildet, es gibt eine Bäckerei, einen Blumenladen, ein Altersheim und zwei Kneipen, in denen man auch essen kann.
Manche Bewohner wohnen schon ewig in der Heidestraße, selbst die Eltern und Großeltern waren schon dort ansässig. Nun aber sind Änderungen angekündigt. Eine Wohnungsbaugesellschaft hat die Heidestraße entdeckt und will die Wohnungen leerräumen, um entweder neu zu bauen oder die Wohnungen zu sanieren und dann teurer zu vermieten. Den langjährigen Mietern wird empfohlen, sich neue Wohnungen zu suchen.
Aber es werden auch andere Schicksale oder Angelegenheiten beleuchtet:
• Ein Junge holt mit seiner Steinschleuder heimlich Tauben vom Himmel
• Die Heimbewohner beklagen sich über immer schlechter werdendes Essen, das Heim leidet unter Kostendruck
• Ein Antiquar hat einen kleinen Laden angemietet, der aber nicht läuft
• Ein Wohnungsloser erfriert in der Winterkälte
• Ein Festkomitee plant ein Straßenfest im November und zerstreitet sich zunächst einmal, bis dann doch einer Verwirklichung nichts mehr im Wege steht. Während des Festes kommt es zu Handgreiflichkeiten, bei denen ein junger Polizist verletzt wird.
Seethaler versteht es, sich in die Sprache seiner Protagonisten hineinzuversetzen. Polizei und Magistrat befleißigen sich eines für Normalbürger fast unverständlichen Amtsdeutsches, schlagende Ehemänner pöbeln mit ihren unterlegenen Frauen, die aber letztendlich doch wieder zu ihnen halten. Und die Bäckersfrau kehrt nach kurz geäußerter Anteilnahme ganz schnell zum Geschäft zurück und fragt nach der Anzahl der gewünschten Semmeln.
Die Makler verstecken ihre wahren Absichten hinter vermeintlich sozialen Begründungen und wohlmeinenden Absichten. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht, um ihre Ziele zu erreichen, gerne auch die Bestechung des gegnerischen Anwalts.
Der Autor hat sozusagen dem Volk „aufs Maul geschaut“ und stellt damit auch die Verschiedenartigkeit der Bewohner der Heidestraße dar.
Gerade bei den Verlautbarungen des Magistrats in köstlichem Beamtendeutsch, das großspurig und wichtig klang, aber doch relativ nichtssagend war, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Allerdings brauchte ich doch eine zweite Leserunde, um mich besser zurechtzufinden und die einzelnen Episoden den verschiedenen Protagonisten zuordnen zu können.