Ein etwas anderer Seethaler
Wer Robert Seethaler vor allem für seine präzise Fokussierung auf einzelne Lebenswege und die eindringliche biografische Entwicklung seiner Figuren schätzt, wie etwa in 'Ein ganzes Leben' oder 'Der Trafikant', dürfte sich mit seinem neuen Roman Die Straße zunächst schwertun – so ging es mir zumindest.
Statt einer klaren, linearen Handlung setzt Seethaler hier auf ein mosaikartiges Erzählen. In einer vielstimmigen Anlage, mit häufig wechselnden Perspektiven und Erzähler*innen, werden die kleinen und großen Begebenheiten der Bewohner*innen einer einzigen Straße miteinander verwoben. Es ist weniger ein klassisches Erzählen als vielmehr ein Nebeneinander von Stimmen, ein Beobachten und Kommentieren. Dabei greift der Roman eine Vielzahl gesellschaftlicher Themen auf: Xenophobie, Rassismus, soziale Verrohung, Gentrifizierung, die Überforderung von Pflege und Polizei sowie ein spürbares Maß an sozialer Kontrolle.
Das zutiefst Humane, das Seethalers Werke sonst auszeichnet, ist auch hier spürbar. Die Straße funktioniert als eindringliches Gesellschaftsporträt im Mikrokosmos einer einzelnen Straße in einer namenlosen deutschsprachigen Stadt. Gleichzeitig macht gerade diese Vielstimmigkeit die Lektüre nicht immer einfach. Die Perspektivwechsel sind teils schwer nachzuvollziehen, nicht immer ist eindeutig, wer gerade spricht, und eine durchgehende Handlung im klassischen Sinne fehlt. Gerade im Vergleich zu Seethalers früheren, sehr konzentrierten und erzählerisch dichten Romanen wirkt dieses Buch auf mich weniger zugänglich und dadurch auch weniger eindringlich.
'Die Straße' ist somit kein typischer Seethaler. Es ist ein literarisches Experiment, das neue Wege geht und bewusst mit Erwartungen bricht. Ob dieser Ansatz ebenso überzeugt wie seine bisherigen Romane, wird letztlich Geschmackssache bleiben. Meinen Geschmack hat es leider nicht ganz getroffen.
Statt einer klaren, linearen Handlung setzt Seethaler hier auf ein mosaikartiges Erzählen. In einer vielstimmigen Anlage, mit häufig wechselnden Perspektiven und Erzähler*innen, werden die kleinen und großen Begebenheiten der Bewohner*innen einer einzigen Straße miteinander verwoben. Es ist weniger ein klassisches Erzählen als vielmehr ein Nebeneinander von Stimmen, ein Beobachten und Kommentieren. Dabei greift der Roman eine Vielzahl gesellschaftlicher Themen auf: Xenophobie, Rassismus, soziale Verrohung, Gentrifizierung, die Überforderung von Pflege und Polizei sowie ein spürbares Maß an sozialer Kontrolle.
Das zutiefst Humane, das Seethalers Werke sonst auszeichnet, ist auch hier spürbar. Die Straße funktioniert als eindringliches Gesellschaftsporträt im Mikrokosmos einer einzelnen Straße in einer namenlosen deutschsprachigen Stadt. Gleichzeitig macht gerade diese Vielstimmigkeit die Lektüre nicht immer einfach. Die Perspektivwechsel sind teils schwer nachzuvollziehen, nicht immer ist eindeutig, wer gerade spricht, und eine durchgehende Handlung im klassischen Sinne fehlt. Gerade im Vergleich zu Seethalers früheren, sehr konzentrierten und erzählerisch dichten Romanen wirkt dieses Buch auf mich weniger zugänglich und dadurch auch weniger eindringlich.
'Die Straße' ist somit kein typischer Seethaler. Es ist ein literarisches Experiment, das neue Wege geht und bewusst mit Erwartungen bricht. Ob dieser Ansatz ebenso überzeugt wie seine bisherigen Romane, wird letztlich Geschmackssache bleiben. Meinen Geschmack hat es leider nicht ganz getroffen.