Ein leiser großartiger Roman
Ich mag die Romane von Robert Seethaler und seinen ruhigen, unaufgeregten Schreibstil. Auch Die Straße beginnt völlig unspektakulär, hat mich aber sofort in den Bann gezogen.
Es ist eine ganz normale Straße in einer ganz normalen Stadt. Doch die Menschen, die dort leben, tragen Geschichten mit sich, die alles andere als normal sind. Da ist der Junge, den plötzlich das Jagdfieber packt. Der andere, der nicht weiß, wohin mit seiner Wut. Die Blumenhändlerin, die für einen Mann lebt, der sie nicht mal anschaut. Der junge Mann, der ein Antiquariat eröffnet. Und der Pfarrer, der langsam den Anschluss an seine Gemeinde verliert.
Seethaler lässt sie durch Gespräche, Gedanken und kleine Szenen lebendig werden. So lernt man die Menschen der Heidestraße und ihre Sorgen, Sehnsüchte und Geheimnisse kennen. Jeder kreuzt täglich die Wege der anderen, und doch weiß keiner wirklich, was im anderen vorgeht.
Seethaler schreibt leise und ohne Drama. Und trotzdem sitzen manche Sätze so treffend, dass sie lange nachklingen.
Für mich ist das ein leiser, menschlicher Roman mit großer Aussagekraft. Genau das kann Seethaler hervorragend.
Eine absolut empfehlenswerte Lektüre.❤️