Ein Roman voller Augenblicke

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mrsamy Avatar

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Das Leben in der Stadt hat viele Facetten. Doch was heißt hier Stadt? Auch in einer Straße treffen viele Menschen aufeinander, die geheime Träume und Sehnsüchte haben. Da ist die Buchhändlerin, die unsterblich in einen Mann verliebt ist, für den sie keine Bedeutung hat. Die alten aus dem Pflegeheim, deren Erinnerungen langsam verschwinden, die aber dennoch das Leben immer wieder spüren wollen. Der Antiquar, dessen Bücher, die eigentlich keiner kaufen möchte, für ihn so wichtig und voller Erinnerungen sind. All die kleinen und großen Dramen, einfach das Leben in seiner ganzen Bandbreite.

Robert Seethaler hat mit „Die Straße“ einen außergewöhnlichen Roman geschaffen, denn man nicht so schnell wieder vergisst. Das 230 Seiten umfassende Werk ist zusammengesetzt aus Momentaufnahmen, die sich in der Heidestraße abspielen. Es sind Dialoge und Szenen, der Leser ist ein stiller Beobachter, mitten hineingeworfen in die bunte und doch so alltägliche Szenerie. Doch im Hintergrund schwillt etwas, das Leben verändert sich, auch in der Heidestraße. Es kommen neue Anforderungen, man könnte sagen, das Kapital greift um sich, verdrängt und manches bleibt nicht mehr beim Alten.

Man braucht schon ein wenig, um in diesen besonderen Roman hineinzufinden. Es gibt keine Handlung im klassischen Sinne, und dennoch ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild, eine Dynamik und so erkennt man nach und nach Zusammenhänge, bekommt einen Eindruck vom Leben der einzelnen Bewohner, auch wenn man sie nicht immer gleich erkennt. Wie wenn man durch ein Schlüsselloch schaut, um einen kleinen Einblick zu erhaschen. Es ist ein Roman, der die normalen Konventionen aufbricht und uns einlädt, wieder einmal über den literarischen Tellerrand hinauszusehen.