Ein vielstimmiges Kaleidoskop des Alltäglichen
Robert Seethaler nimmt in seinem Werk meist die einfachen Leute in den Fokus, so auch hier in seinem neuen Roman, in dem er perfektioniert, was er bereits in „Das Café ohne Namen“ begonnen hat.
Den neuen Mikrokosmos bildet die Heidestraße in einer namenlosen kleinen Stadt im Irgendwo, wo Menschen mit überschaubaren Einkünften miteinander leben. Alleinstehende wohnen dort, Familien und Paare. Kleine Gewerbetreibende bangen um ihre Umsätze, der „Goldene Mond“ lädt zum Feierabendbier ein, im Haus Abendschein schwelgen die Alten in ihren Lebenserinnerungen. Der Pfarrer hat immer weniger Schäfchen zu betreuen, der engagierte Hausarzt ist Beichtvater für viele.
Betrachtet wird ein Zeitraum von nur einem Jahr – von einem Heidestraßenfest zum nächsten. Zu Wort kommen unterschiedliche Erzählstimmen, die Meinungen, Beobachtungen, Gerüchte, Vorschriften, Vermutungen oder Gedanken äußern. Die jeweiligen Statements sind meist kurz. Manche bestehen nur aus Fragmenten, und jedes stellt ein Puzzleteil vom Gesamtbild dar.
Die meisten der sich nach und nach komplettierenden Geschichten verhandeln das zutiefst Menschliche und Alltägliche. Es geht um Sehnsüchte, Begierden, Ängste, Gewissensfragen, existentielle Not, um die Liebe in ihren unterschiedlichen Spielarten, um Alter, Tod und vieles mehr. Die größte Bedrohung geht von einer Investorengruppe aus, die alles daransetzt, auch langjährige Mieter mit unlauteren Methoden aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Die geschilderten Konflikte und Situationen erscheinen zeitlos aktuell.
Die feinsinnig geschilderte Atmosphäre wird von latenter Melancholie und Einsamkeit durchzogen. Seethaler beherrscht eine reduzierte, nüchterne und gleichzeitig poetisch kraftvolle Sprache, die immer wieder berührt und Nachhall erzeugt, ohne je ins Sentimentale abzudriften. Man findet viele ansprechende Formulierungen, die die Empathie des Lesers stimulieren und tieferliegende Bedeutungen freilegen.
Mich hat dieser neue multiperspektivische Roman sehr begeistert. Ich habe mich gerne in der Heidestraße aufgehalten und von den angerissenen Schicksalen fesseln lassen. Seethaler erzählt wie gewohnt nicht alles aus. Als Leser darf man weiterdenken, um eins ins andere zu fügen.
Ein wunderbares Buch, das auch als Hörbuch ein echter Genuss ist! Schauspieler Matthias Brandt haucht jeder Stimme eine eigene unaufdringliche Prononcierung ein, die den Text regelrecht zum Leuchten bringt, aber auch etwas mehr Konzentration erfordert.
Für mich ein Highlight und eine uneingeschränkte Lese bzw. Hörempfehlung!
Den neuen Mikrokosmos bildet die Heidestraße in einer namenlosen kleinen Stadt im Irgendwo, wo Menschen mit überschaubaren Einkünften miteinander leben. Alleinstehende wohnen dort, Familien und Paare. Kleine Gewerbetreibende bangen um ihre Umsätze, der „Goldene Mond“ lädt zum Feierabendbier ein, im Haus Abendschein schwelgen die Alten in ihren Lebenserinnerungen. Der Pfarrer hat immer weniger Schäfchen zu betreuen, der engagierte Hausarzt ist Beichtvater für viele.
Betrachtet wird ein Zeitraum von nur einem Jahr – von einem Heidestraßenfest zum nächsten. Zu Wort kommen unterschiedliche Erzählstimmen, die Meinungen, Beobachtungen, Gerüchte, Vorschriften, Vermutungen oder Gedanken äußern. Die jeweiligen Statements sind meist kurz. Manche bestehen nur aus Fragmenten, und jedes stellt ein Puzzleteil vom Gesamtbild dar.
Die meisten der sich nach und nach komplettierenden Geschichten verhandeln das zutiefst Menschliche und Alltägliche. Es geht um Sehnsüchte, Begierden, Ängste, Gewissensfragen, existentielle Not, um die Liebe in ihren unterschiedlichen Spielarten, um Alter, Tod und vieles mehr. Die größte Bedrohung geht von einer Investorengruppe aus, die alles daransetzt, auch langjährige Mieter mit unlauteren Methoden aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Die geschilderten Konflikte und Situationen erscheinen zeitlos aktuell.
Die feinsinnig geschilderte Atmosphäre wird von latenter Melancholie und Einsamkeit durchzogen. Seethaler beherrscht eine reduzierte, nüchterne und gleichzeitig poetisch kraftvolle Sprache, die immer wieder berührt und Nachhall erzeugt, ohne je ins Sentimentale abzudriften. Man findet viele ansprechende Formulierungen, die die Empathie des Lesers stimulieren und tieferliegende Bedeutungen freilegen.
Mich hat dieser neue multiperspektivische Roman sehr begeistert. Ich habe mich gerne in der Heidestraße aufgehalten und von den angerissenen Schicksalen fesseln lassen. Seethaler erzählt wie gewohnt nicht alles aus. Als Leser darf man weiterdenken, um eins ins andere zu fügen.
Ein wunderbares Buch, das auch als Hörbuch ein echter Genuss ist! Schauspieler Matthias Brandt haucht jeder Stimme eine eigene unaufdringliche Prononcierung ein, die den Text regelrecht zum Leuchten bringt, aber auch etwas mehr Konzentration erfordert.
Für mich ein Highlight und eine uneingeschränkte Lese bzw. Hörempfehlung!