Eine Geschichte aus vielen kleinen Puzzleteilchen

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stina23 Avatar

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Robert Seethaler schreibt in seinem neuesten Buch über die Menschen, die in der Heidestraße wohnen und/oder arbeiten. Diese Straße am Rand einer deutschen Stadt beherbergt die unterschiedlichsten Charaktere, die oft nur nebeneinanderher leben und nur wenige Berührungspunkte haben. Das alljährliche Fest im November rahmt die Handlung ein.
Was das Buch besonders macht, ist dass die Menschen mit ihren Beobachtungen. Gedanken und Erlebnissen zu Wort kommen, ohne dass ihre Erzählungen in eine verbindende Geschichte eingebettet sind. Allein aus der Ich-Perspektive berichten sie in kurzen Abschnitten von ihrem Alltag, ihrem Leben, von Dingen, die sie bewegen. Man lernt die Protagonistinnen nach und nach kennen, nur selten wird von anderen BewohnerInnen der Heidestraße ihr Äußeres, ihr Alter oder Ähnliches erwähnt. So bleibt einerseits einiges der Fantasie der Lesenden überlassen, andererseits lernt man viel über das, was die ProtagonistInnen wirklich ausmacht, ihren Ängsten, Wünschen und Lebensrealitäten.
Für mich war es, als ob ich ein Geschichten-Puzzle zusammensetzen würde. Robert Seethaler schafft es hervorragend, dass bei jedem kurzen Abschnitt klar wird, mit welcher Figur aus der Heidestraße man es gerade zu tun hat. Das Lesen war für mich sehr kurzweilig, da die Aufmerksamkeit mehr gefordert war als bei manch anderen Büchern. Der Alltag der Menschen steht im Mittelpunkt der Geschichte, sie birgt jedoch oder gerade deshalb einiges an Gesellschaftskritischem.
Obwohl ich das Lesen des Buches genossen habe, fehlte mir, als ich es beendet hatte, die verbindende Geschichte doch mehr als erwartet. Ich vermisste das Gefühl, mich in eine Handlung vertieft zu haben.
Wer ein etwas anderes Leseerlebnis sucht, ist mit diesem Buch gut beraten.