Eine Straße voller Geschichten

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carmen1994 Avatar

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Mit „Die Straße“ erzählt Robert Seethaler keine klassische Geschichte mit einer Hauptfigur und einem klaren Handlungsstrang. Stattdessen öffnet er die Türen zu den Häusern der Heidestraße und lässt nach und nach ihre Bewohner zu Wort kommen. Ein Antiquar, der von seinem kleinen Laden träumt, eine Heimleiterin, ein eigensinniger Junge, ein Pfarrer, Geschäftsleute und viele weitere Menschen bevölkern diese Straße – jeder mit seinen eigenen Sorgen, Wünschen und Geheimnissen.

Gerade dieser mosaikartige Aufbau macht den Roman besonders. Die einzelnen Episoden wirken zunächst wie lose Puzzleteile, doch mit der Zeit entsteht daraus ein immer dichteres Bild der Gemeinschaft. Es geht um Liebe und Einsamkeit, um Hoffnungen und Verlust, um Alltag und die großen Veränderungen, die plötzlich vor der eigenen Haustür stehen.

Besonders gut gefallen hat mir Seethalers genaue Beobachtungsgabe. Mit wenigen Worten zeichnet er seine Figuren und fängt dabei ganz unterschiedliche Stimmen ein. Mal ist es berührend, mal skurril, manchmal auch wunderbar trocken – gerade das bürokratische Amtsdeutsch sorgt für den einen oder anderen Schmunzler.

„Die Straße“ ist sicher kein Buch, das man nebenbei liest. Man muss sich auf die vielen Figuren und Perspektiven einlassen und die einzelnen Geschichten miteinander verbinden. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür ein vielschichtiges Porträt einer Straße und ihrer Bewohner. Am Ende hat man beinahe das Gefühl, selbst eine Weile dort gelebt und die Menschen hinter den Fenstern kennengelernt zu haben.