Geschichte des Wandels

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springtoiffel Avatar

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Statt eine Handlung eines einzigen Protagonisten, präsentiert Robert Seethalers "Die Straße" als Handlung den Wandel einer belebten Straße nach dem (wahrscheinlich) zweiten Weltkrieg und ihrer Bewohner sowie der dort ansässigen Geschäftstreibenden.

Der Stil des Romans wechselt häufig, den Geschehnissen entsprechend. Die Vielzahl an Protagonisten bleibt größtenteils namenlos, ist aber immer perfekt zuordenbar. So begleiten wir
-eine unglücklich verliebte Floristin, die Briefe an den Mann schreibt, dem sie ihr Herz geschenkt hat, selbige Briefe aber nie abschickt
- einen Bücher-Antiquar (mein Lieblingshandlungsstrang), der versucht, seine Schätze vor der Welt zu beschützen und immer wieder auf neue Probleme stößt
- einen zur Gewalt neigenden jungen Mann
- Bewohner eines Altenheims
- zwei immer im Dialog geschriebene Unbekannte, die sich nie einig werden
- einen alternden Polizisten, der erfolglos versucht, mehr Polizeipräsenz für das Straßenfest zu erwirken ...
... und noch so viele mehr.

Das Buch ist oft witzig, stimmt manchmal nachdenklich, hin und wieder sehr poetisch geschrieben und spielt auf wirklich intelligente Weise mit Erwartungen (ein Beispiel: häusliche Gewalt), um diese dann gekonnt über den Haufen zu werfen.

Ich persönlich empfinde den Roman als makellos. Wenn ich eine Sache nennen müsste, die gerne anders sein könnte, wäre es die dann doch ziemlich überschaubare Länge von gerade mal 230 Seiten, die sich extrem schnell durchliest. Die Geschehnisse und Charaktere werden mich auf jeden Fall noch sehr lange begleiten - das Buch ist ein Meisterwerk!