Geschichten über das Miteinander

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Geschichten über das Miteinander

Ich fand die Idee, eine ganze Straße literarisch zu begleiten, eine richtig gute. Denn so viele unterschiedliche Personen und Geschichten sind dort verteilt, dass es spannend ist, diesen zu begegnen.

Denn es bekommt keine einzelne Figur die volle Aufmerksamkeit. Nein, es steht eine ganze Straße im Mittelpunkt. Menschen kommen und gehen und ihre Wege kreuzen sich auf die ein oder andere Art und Weise. Kleine und große Dramen spielen sich zwischen Häuserfassaden, Hinterhöfen und Läden ab. Es wird still und präzise den Alltag der verschiedensten Figuren begleitet.

Die Bewohner der Straße tragen Sehnsüchte, Einsamkeit, Wut oder unerfüllte Liebe mit sich herum. Einige der Geschichten haben mich direkt berührt, bei manchen hat es etwas Zeit gebraucht und na ja, manche waren wir der ungeliebte Nachbar eben auch da. Aber gerade das zeigt, wie nah Menschen einander manchmal sind, ohne sich wirklich zu kennen.

Sein Schreibstil ist sehr reduziert und ich musste da erstmal reinkommen. Es ist ruhig und dennoch schafft der Autor eine ganz eigene Atmosphäre. Mit wenigen Worten schafft er Bilder und Stimmungen, an die ich noch lange denken musste.

Wer eine klassische, durchgehende Handlung erwartet, ist hier jedoch falsch. Die Episoden kreuzen sich und verlaufen sich wieder. Das Buch lebt mehr von Beobachtungen und flüchtigen Momenten als von einer durchgängigen Spannung.

Es ist ein leiser Roman über das menschliche Miteinander, über Einsamkeit und die kleinen Geschichten, die sich jeden Tag direkt neben uns abspielen könnten.

ISBN: 9783546100335
Autor: Robert Seethaler
Verlag: claassen
ET: 30.04.26
Umfang: 240 Seiten