Halbtrocken, edelsüß!

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Viele, die zu diesem Roman greifen, werden bereits vertraut mit dem Schreibstil Seethalers sein - so weit ich weiß, war es für mich aber die erste Leseerfahrung mit dem Autor. Ich verstehe jetzt, warum es für viele eine polarisierende Art zu schreiben ist: Spezielle Schreibstile wie dieser sind rar gesäht (man mag es oder man mag es nicht). Ich mag es, muss aber zugeben, dass ich mich so gefühlt habe, als würde ich mit jeder Seite ein bisschen tiefer in einem Sumpf feststecken und die zwischenzeitliche Hoffnung, wieder rauszufinden, wird immer wieder ertränkt. Ob ich mich am Ende befreien konnte, ist fragwürdig, aber man findet sich an dem Wirrwarr aus Mehrdeutigkeit und Leerstellen immer besser zurecht. Aber: ich habe ewig gebraucht! Eine wirklich hilfreiche Stütze haben die mitunter sehr kurzen Abschnitte dargestellt, richtige Kapitel gibt es ja nicht.
Die Thematik strotzt erst einmal nur so an Originalität, ist aber auf einen zweiten Blick nur der Aufhänger für ein tiefgreifendes zeitgenössisches Gesellschaftsporträt am Exempel einer fiktiven Zusammenstellung von Charakteren, die alle mit einer bestimmten Straße zu tun haben. Betrachtet man es auf diese Weise, dürfte der nüchterne und dem Realismus nacheifernde Erzählstil passend gewählt erscheinen. Im Detail liegt hier der Genuss - Höhenflüge auf einer Spannungskurve sollten nicht erwartet werden.