Klug komponierte, trübsinnige Fragmente
Mit „Die Straße“ wagt Robert Seethaler sich in experimentelles Terrain vor. Hier wird keine Geschichte im klassischen Sinne erzählt, sondern das Leben in einer Straße einer namenlosen Stadt mit kurzen Dialogen, Einblicken, Dokumenten, Gedanken wiedergegeben. Es spielt über den Lauf eines Jahres, Daten gibt es keine, die Zeit lässt sich vage bei „Ende 20. Jahrhundert“ einordnen. Die meisten der vielen Menschen bleiben namenlos, manche von ihnen kann man mit der Zeit erkennen und einordnen, von anderen wiederum liest man nur eine Aussage, ohne jeglichen Hintergrund. Das ist, als würde man im Vorbeigehen Gesprächsfetzen aus den Häusern der Straße aufschnappen, ohne die Gesichter dazu zu sehen. Es genügt aber, um im Kopf seine eigenen Geschichten daraus zu spinnen – und damit ist Seethalers Experiment als gelungen zu bezeichnen, das ganz auf das Vorstellungsvermögen seiner Leserschaft abzielt.
Während mich die Form dieses 200seitigen Romans demnach begeistert, gibt es auf der inhaltlichen Seite Minuspunkte. Aufgrund der außergewöhnlichen und gleichzeitig alltägliches Leben widerspiegelnden Struktur passiert nicht viel (ein Junge jagt Tauben, ein buchbegeisterter Herr eröffnet ein Antiquariat, Immobilienhaie vertreiben alteingesessene Mieter, auf dem alljährlichen Straßenfest gibt es eine Schlägerei,…), doch das Wenige, das passiert, ist von einer deprimierenden Schwere durchzogen. Im Mittelpunkt steht das Sterben jeglicher Art: das Straßenbild stirbt mit der Gentrifizierung, im Altersheim siechen die Senioren, eine Frau will Suizid begehen, etliche Tauben, eine Katze, ein Obdachloser und ein Baby kommen zu Tode. Daneben gibt es noch traumatische Kriegserlebnisse, häusliche Gewalt, Demenz, Bücherwürmer und einige Sorgen mehr. Da diese Themen nicht weiter vertieft werden, fühlt es sich auf weite Strecken an wie ein Strudel menschlicher Misere in bürgerlicher Umgebung. Der zwar treffende, aber humorlose Schreibstil des Autors tut das Seine hinzu, dass man „Die Straße“ dann auch zügig - und leider nicht gerade aufgeheitert - wieder verlässt.
Während mich die Form dieses 200seitigen Romans demnach begeistert, gibt es auf der inhaltlichen Seite Minuspunkte. Aufgrund der außergewöhnlichen und gleichzeitig alltägliches Leben widerspiegelnden Struktur passiert nicht viel (ein Junge jagt Tauben, ein buchbegeisterter Herr eröffnet ein Antiquariat, Immobilienhaie vertreiben alteingesessene Mieter, auf dem alljährlichen Straßenfest gibt es eine Schlägerei,…), doch das Wenige, das passiert, ist von einer deprimierenden Schwere durchzogen. Im Mittelpunkt steht das Sterben jeglicher Art: das Straßenbild stirbt mit der Gentrifizierung, im Altersheim siechen die Senioren, eine Frau will Suizid begehen, etliche Tauben, eine Katze, ein Obdachloser und ein Baby kommen zu Tode. Daneben gibt es noch traumatische Kriegserlebnisse, häusliche Gewalt, Demenz, Bücherwürmer und einige Sorgen mehr. Da diese Themen nicht weiter vertieft werden, fühlt es sich auf weite Strecken an wie ein Strudel menschlicher Misere in bürgerlicher Umgebung. Der zwar treffende, aber humorlose Schreibstil des Autors tut das Seine hinzu, dass man „Die Straße“ dann auch zügig - und leider nicht gerade aufgeheitert - wieder verlässt.