Mikrokosmos Straße

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throughmistymarches Avatar

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Seethalers „Ein ganzes Leben“ und „Der Trafikant“ gehören bekanntlich zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, die ich immer wieder aufs Neue lese und liebe und eintauche, in diese stille, melancholische Welt und natürlich habe ich mich vor allem deshalb besonders auf den neuen Roman „Die Straße“ gefreut.

Vom Aufbau erinnert „Die Straße“ an die beiden Vorgänger, „Das Feld“ und „Das Café ohne Namen“ und vermittelt wie sie die typische Seethaler-Atmosphäre: dieses genaue Beobachten von Menschen, die eher am Rand stehen, deren Leben nicht laut ist, nicht nach außen gelebt wird, wo ganz viel im Inneren stattfindet. Eine Straße als Schauplatz, als verbindendes Element der zahlreichen Figuren; viel bleibt namenlos und wenig greifbar, könnte sinnbildlich für so vieles stehen.

Das kann funktionieren, hat mich aber hier leider dieses Mal nicht so sehr abgeholt. Die vielen kurzen Episoden, die schnellen Wechsel, das Springen von Figur zu Figur… einerseits hat es dieses städtische Durcheinander (die Anonymität?) gut dargestellt, dieses Gefühl von Gleichzeitigkeit der Dinge; andererseits konnte ich dadurch keine Nähe zur Erzählung aufbauen und konnte nicht richtig eintauchen.

Als Beobachter:in bleibt man bei diesem Seethaler sozusagen draußen und guckt nur mal kurz vorbei. Der Roman wirkt fragmentarisch, beinahe unfertig.

Aber vielleicht ist das genau der Punkt: Die Figuren bleiben bewusst skizzenhaft, teilweise anonym, wie einer typischen städtischen Straße, ein eigener Mikrokosmos mit vielen noch kleineren Mikrokosmen und kann gar nie „fertig“ sein. Die Figuren sind eher als Komparserie zu betrachten und die Straße selbst ist die eigentliche Protagonistin – dann gibt der Roman durchaus ein schlüssiges Bild, wird aber für mich eher kein Favorit werden. Trotzdem ist auch „Die Straße“ kein schlechtes Buch; sprachlich wie gewohnt reduziert und schlicht, und auch wenn mir grundsätzlich die Tiefe gefehlt hat, habe ich trotzdem immer wieder Sätze angestrichen, haben mich einzelne sprachliche Bilder emotional berührt.