Mosaik eines Jahres

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eckenmann Avatar

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Robert Seethaler hat mit seinem fragmentarischen Roman "Die Straße" ein vielstimmiges Ensemble- und Episodenwerk geschaffen.
Auf 230 Seiten sind mehr als 272 Text-Bruchstücke nacheinander aufgeführt, meistens mit einem Strich darunter oder darüber oder durchs Seitenende natürlich getrennt.
Diese Fragmente sind von ganz unterschiedlicher Länge und Aussagekraft und bringen Gedanken und Gefühle der in der Heidestraße wohnenden und arbeitenden Menschen zum Ausdruck < Dialoge, Monologe, Schreiben bzw. berichte, Liebesbriefentwürfe >, die einen Jahresverlauf nachzeichnen.
Für mich als Leser sind es mosaikhafte Puzzleteile, die manchmal direkt aufeinanderfolgend verbunden sind und andererseits oftmals später wieder aufgenommen werden.
Es sind Geschehnisse und Ereignisse, vor allem Schicksalsschläge, die breiten Raum einnehmen.
In dieser Straße werden alltägliche Arbeiten und Erledigungen verrichtet, Blumen und Bücher verkauft, Senioren betreut, Legenden besprochen und Gerüchte gestreut, es wird geliebt und vor allem sehr gelitten und gestorben.
Es ist ein zuweilen recht niederdrückendes Panorama, welches sich nach und nach entfaltet. Manche Zeilen haben eine mächtige Wortwucht, immer wieder finde ich sprachliche Perlen und aussagestarke detaillierte Beschreibungen vieler (meist namenloser) Leute und ihrer Denk- und Verhaltensweise. Ich verspüre viele Momente der Vereinsamung und der stillen Verzweiflung, erst ganz am Ende ist ein Hoffnungsschimmer zu erkennen.

Dieser Roman gefällt mir vom Cover und der Gestaltung her sehr.

Insgesamt war es für mich ein spannendes Leseexperiment, da die Romanhandlung nicht linear verläuft und Mitdenken und Puzzeln erforderlich sind.
Die Textpassagen sind sehr abwechslungsreich und formal gesehen anregend.
Die Grundstimmung allerdings lässt mich dann doch ein klein wenig ratlos zurück.