So viele Charaktere, die sich wie Fenster öffnen und schließen
Nicht selten ist es der Sprecher des Hörbuches, der ein schwieriges Buch zu einem Highlight macht. Matthias Brandt jedenfalls gelingt das bei diesem Roman von Robert Seetaler sehr gut. Zu Ende gelesen hätte ich dieses Buch wohl nicht, aber das Hören habe ich bis zum letzten Satz durchgehalten. Der tiefere Sinn des Romans ist so zerfasert wie die ganze Straße, von der Seethaler erzählt. Er springt mit seinen Gedanken hin und her. Wechselt die Perspektiven wie ein Slalomfahrer. runter den Berg und draufloserzählt. Am Ende kennt man die Bewohner der Straße, weiß dass sie seit jeher "pyromanische" Tendenzen hat, dass es so viele verschiedene Charaktere gibt wie Fenster in den Häuserfronten. Ich habe vor Jahren Seethalers Roman "Der Traffikant" gelesen und sehr gemocht, die Straße aber zeigte mir keine stringente Erzählung, der ich folgen wollte, konnte. Ja, es gibt die sogenannte Kapitalismuskritik, Wut über Hausbesitzer und über Leute, die nicht ins konservative Muster passen, wie das Mädchen, das Klavierspielen lernen soll, wie der Mann, der vom Balkon pinkelt, und wie einer der gern philosophiert oder predigt. Das muss man mögen. Trotzdem sind die einzelnen Episoden wirklich anhörenswert, dank Matthias Brandt.