Stimmen aus dem Leben in einer Straße
Robert Seethaler beschreibt das Leben einiger Straßenbewohner mit einem scheinbar ungeordneten Mosaik aus Gesprächsfetzen, Selbstgesprächen und Gedanken, privaten Notizen, Protokollen und amtlichen Schreiben. Gemeinsam ist alldem nur der Ort, die Heidestraße, gelegen in einem unscheinbaren Stadtviertel mit vielen Mietwohnungen und einfachen Läden, und der Zeitraum von einem Jahr, von einem Heidestraßenfest zum nächsten. Stadt und Jahr aber bleiben ungenannt. Eine durchgehende Handlung gibt es nicht, nur viele Stimmen, aus denen sich allmählich die Schicksale, Wünsche und Träume, Nöte und Sorgen einzelner Personen zusammenfügen lassen. Es gibt auch Todesfälle, Gewalt, Wohnungskündigungen durch die Immobilienfirma, einen Wohnhausbrand und andere Ereignisse, die sich aus den Stimmen herausschälen. Im Hörbuch, das vom Schauspieler Matthias Brandt sehr angenehm gelesen wird, sind die Stimmen so wenig differenziert wie im Buch, die Zuordnung zu einzelnen Personen ist anfangs nicht immer klar, die Hörer wie die Leser müssen sie aus dem Sinnzusammenhang erkennen. Das erfordert Konzentration, doch so entwickeln sich nach und nach lebendige, teils auch klischeehafte Bilder aus dem Leben sehr unterschiedlicher Straßenbewohner. Sie entstehen im Kopf der Leser oder Hörer und sind wohl so verschieden wie die Menschen in der Straße.