Trauriger Text

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
hurmelchen Avatar

Von

Es macht mich schon ziemlich traurig, dass mir der neue Roman des famosen Robert Seethaler so gar nicht zusagen will. Hat der „Meister“ doch gar angekündigt, kein Buch mehr schreiben zu wollen…
Nein, das glaube ich nicht, solche Ankündigungen taugen selten etwas, steigern vielleicht nur die Auflage des aktuellen Buches?
Wie dem auch sei, „Die Straße“ löst so gar nichts in mir aus. Ach, wie konnte Seethaler mich begeistern und berühren, wie liebte ich seinen lakonischen, und doch so tiefgehenden Stil, seinen stillen Humor, seine Erdverbundenheit und die seiner Protagonisten! Der Trafikant- zum Weinen gut. Ein ganzes Leben- herzzerreißend. Das Café ohne Namen- unvergesslich. Jetzt wird’s ernst- zum Brüllen komisch und sentimental.
Kurz- ein ganz Großer seines Faches hat sich in mein Herz geschrieben.
Zugegeben, schon „Der letzte Satz“ hat mich kalt gelassen, aber an Gustav Mahler konnte ich noch andocken. Das gelingt mir mit den unzähligen, namenlosen Menschen in „Der Straße“ nicht mehr. Zu erratisch springt die Erzählung hin - und her, und viel Elend gibt es darin, mehr Elend und Einsamkeit, als sonstwo, und nicht viel Aussicht auf Gutes.
Ein Flickenteppich aus Gedanken und Begebenheiten. Ein Mosaik aus Erfahrungen und Niederlagen. Und zwischen den Zeilen, viel Ausweglosigkeit. Ist Seethaler der Menschen überdrüssig geworden? Sieht er das Gute nicht mehr?
Ach, mich macht der Text einfach traurig…