Von den Menschen in der Heidestraße

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Der Roman umfasst ein ganzes Jahr und beschreibt das Leben von sehr unterschiedlichen Menschen, die jedoch eines gemeinsam haben: sie leben alle in der Heidestrasse.
Der Schreibstil ist ungewöhnlich, es werden keine Namen der Personen genannt und es gibt keine Kapitel. Stattdessen erfolgt eine Aneinanderreihung von kurzen Dialogen, Beschreibungen von Lebensumständen, Gedankengängen oder offiziellen Ankündigungen. Dabei geht es um sehr verschiedene Anliegen und Menschen. Einige kann man beim Lesen sehr gut und schnell zuordnenden. Da ist zum Beispiel der Mann, der ein Antiquariat eröffnet, jedoch kein gutes Händchen beim Renovieren und als Geschäftsmann hat. Da ist die Bäckerin, die im regen Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden steht und auch ein Herz für den Obdachlosen vor ihrer Tür hat. Es gibt einen geistig verwirrten Menschen, eine Blumenhändlerin, einen jungen Mann man viel Wut im Leib und einen Arzt, der sich mit mehr Hingabe als ihm gut tut um seine Patienten kümmert. Und das ist nur ein kleiner Teil der Menschen, die sich in der Heidestrasse tummeln, viele einsam, manche unglücklich, einige wütend, andere verwirrt. Doch die Straße selber steht im Wandel, Mieter sollen ihre Wohnungen räumen, es wird wohnliche Veränderungen geben.
Robert Seethaler beschreibt auf höchst ungewöhnliche Art einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben von ganz gewöhnlichen Menschen, indem er lediglich eine Wohnstrasse als Gemeinsamkeit benennt. Es ist erstaunlich, wieviel Informationen man beim Lesen zu den einzelnen Personen bekommt und dass man oft auch die Verbindungen zwischen ihnen erkennt.
Mir fehlt jedoch der Lesefluss, der sich bei diesem Erzählstil nicht einstellt. Seethaler ist für mich ein Meister der leisen Erzählung. Hier hat er einen anderen Stil gewählt, der mich jedoch nicht ganz überzeugen konnte. Dennoch eine interessante Lektüre, die beim Lesen herausfordert und ein bisschen Konzentration bedarf.