Zeit, sich weniger zu schämen

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valerevna Avatar

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„Die unverschämte Frau“ hat mich vor allem deshalb angesprochen, weil Scham ein Gefühl ist, das im Alltag oft viel mehr Raum einnimmt, als man bewusst wahrnimmt. Miriam Stein nähert sich diesem Thema sehr persönlich und nimmt ihre Leserinnen mit in ganz unterschiedliche Stationen ihres Lebens. Dabei erzählt sie offen von Momenten, in denen sie sich klein, falsch oder nicht passend gefühlt hat. Ich fand spannend, wie viele dieser Situationen gesellschaftlich geprägt sind und wie früh wir lernen, bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen. Gerade beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, welche Dinge ich selbst eigentlich viel zu kritisch bewerte und warum. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Durch den persönlichen Erzählstil wirkt es nahbar und lässt gleichzeitig genug Raum, die eigenen Gedanken weiterzuspinnen. An manchen Stellen hätte ich mir allerdings etwas mehr Einordnung und wissenschaftliche Hintergründe gewünscht. Trotzdem ist es ein Buch, das Denkanstöße liefert und dazu ermutigt, mit sich selbst ein bisschen nachsichtiger zu sein. Für mich eine interessante Auseinandersetzung mit einem Gefühl, über das viel zu selten gesprochen wird.