Drachen, Hexenjagd-Vibes und eine Welt, in der Angst zur Waffe wird 🐉

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april1985 Avatar

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Worum geht es?

Vingard ist eine der letzten Bastionen der Menschheit. Drachen gelten als tödliche Bedrohung, denn der Drachenfluch verwandelt Menschen in willenlose Bestien. Mit 18 müssen sich deshalb alle Einwohner einem Tribunal stellen. Durch verschiedene Prüfungen soll herausgefunden werden, ob jemand den Fluch in sich trägt – und wer betroffen ist, wird eliminiert.

Isola hat bereits als Kind einen Drachenangriff überlebt. Seitdem gilt sie als Reinkarnation von Valor, dem großen Retter und Drachentöter. Doch während alle in ihr die Erlöserin sehen, fürchtet Isola selbst, genau das zu sein, was die Kirche vernichten will.

Während des Tribunals wird ausgerechnet Lucan, der Sohn des Vikars, zu einem wichtigen Verbündeten. Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?

Meine Gedanken:

Die Welt war für mich ganz klar eine der größten Stärken von Dragon Cursed. Vingard ist grausam, streng und von Angst geprägt. Gesetze und Glaubenssätze bestimmen den Alltag und schon kleine Abweichungen können tödliche Folgen haben. Dazu kommen Drachen, der geheimnisvolle Drachenfluch und eine spannende Sigillenmagie, die aus Ätherlicht geschöpft wird.

Besonders stark fand ich die Rolle der Kirche. Gnadenritter, Inquisitoren und das Tribunal erzeugen eine beklemmende Stimmung. Immer wieder musste ich dabei an historische Hexenjagden denken: Das vermeintlich Böse muss gefunden und ausgelöscht werden, damit die eigene Seite weiterhin als die Gute dastehen kann.

Die letzte Bastion der Menschheit:

Vingard wirkt mittelalterlich angehaucht und gleichzeitig wie eine dystopische Gesellschaft. Es gibt klare Regeln darüber, was geglaubt werden darf, was erlaubt ist und wer darüber entscheidet, was Wahrheit ist.

Wissenschaft und Forschung haben in diesem System kaum Platz. Das bekommt auch Isolas Mutter zu spüren, die Drachen erforscht und dafür einen hohen Preis zahlt.

Und genau hier beginnt die Geschichte Fragen aufzuwerfen, die ich besonders spannend fand:

Warum darf Isola ihre Mutter nicht mehr sehen? Was versucht das Tribunal zu verbergen? Und was steckt wirklich hinter dem Drachenfluch?

Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen sind in dieser Welt allgegenwärtig.

Die Prophezeiung:

Für alle anderen scheint Isolas Rolle längst festzustehen. Sie ist die Retterin. Die Erlöserin Vingards. Die Reinkarnation Valors.

Zumindest ist das die Geschichte, die die Kirche aus ihr gemacht hat.

Für mich fühlte sich Isola deshalb häufig wie eine Marionette des Vikars an. Nach außen ist sie mutig und stark, innerlich dagegen vollkommen zerrissen.

Was, wenn sie gar keine Erlöserin ist? Was, wenn sie selbst verflucht ist?

Dieser Gedanke könnte ihr zum Verhängnis werden. Gleichzeitig spürt man, dass etwas in ihr schlummert, das sie selbst noch nicht vollständig versteht. Gerade diese Unsicherheit hat sie für mich zu einer spannenden Protagonistin gemacht.

Lucan:

Lucan ist der Sohn des Vikars und zunächst schwer einzuschätzen. Man weiß nicht genau, warum er Isola beobachtet, was er wirklich weiß und auf welcher Seite er steht.

Während des Tribunals wird er jedoch zu einem wichtigen Verbündeten. Und schnell wird deutlich, dass hinter ihm mehr steckt, als man anfangs vermutet.

Gerade dieses Misstrauen zwischen den beiden funktioniert gut, weil man auch als Leser nie ganz sicher sein kann, wem in Vingard überhaupt zu trauen ist.

Slow-Burn-Romance:

Die Romance zwischen Isola und Lucan entwickelt sich sehr langsam und nimmt im Vergleich zur Fantasyhandlung nur wenig Raum ein. Für Young Adult fand ich das absolut passend.

Ich mochte, dass sich die Beziehung vorsichtig entwickelt und die eigentliche Handlung nicht überlagert. Gleichzeitig hätte ich mir zwischen den beiden etwas mehr Funkensprühen gewünscht.

Die Romance war für mich stimmig – aber das große Knistern hat noch gefehlt.

Handlungsverlauf & Ende:

Die Handlung ist geprägt von Intrigen, Machtspielchen, Lügen und Täuschungen. Allerdings braucht die Geschichte für meinen Geschmack etwas, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt.

Gerade der Einstieg ist ruhiger. Sobald die Deadly Trials beginnen, zieht das Tempo aber deutlich an. Die Prüfungen nehmen einen großen Raum ein und sorgen für einige der spannendsten und nervenaufreibendsten Momente des Buches.

Auch an Twists mangelt es nicht. Einige haben für mich gut funktioniert, andere konnte man als aufmerksamer Leser schon relativ früh erahnen. Deshalb hat mich das Ende nicht völlig überrascht.

Es kam ungefähr so, wie ich es erwartet hatte – natürlich inklusive Cliffhanger.

Wie klang die Geschichte?

Ich habe Dragon Cursed als Hörbuch gehört.

Die Sprecherin hat grundsätzlich eine angenehme Stimmfarbe und ich konnte ihr gut folgen. Gerade für längere Hörsessions war das sehr angenehm.

Ganz überzeugen konnte mich die Interpretation trotzdem nicht. Mir war sie stellenweise etwas zu eintönig.

Gerade weil Vingard so bedrohlich ist und das Tribunal mit so viel Angst, Gefahr und Misstrauen verbunden ist, hätte ich mir mehr Dynamik und stärkere Unterschiede in der Sprechweise gewünscht.

Die düstere Atmosphäre kam dadurch für mich nicht immer so intensiv an, wie sie hätte wirken können.

Angenehm zu hören – aber emotional hätte da für mich noch mehr drinstecken dürfen.

Was bleibt?

Dragon Cursed hat mich vor allem mit seiner Welt bekommen.

Eine letzte Bastion der Menschheit. Drachen als tödliche Bedrohung. Ein Fluch. Eine Kirche, die über Wahrheit und Leben entscheidet. Tribunale, die an Hexenjagden erinnern. Und eine junge Frau, die als Retterin verehrt wird, während sie selbst fürchtet, genau das zu sein, was alle vernichten wollen.

Die Geschichte braucht etwas, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, aber spätestens mit den Deadly Trials wird es deutlich spannender. Intrigen, Machtspiele und einige Twists halten die Handlung in Bewegung, auch wenn manche Enthüllungen für mich etwas vorhersehbar waren.

Die Slow-Burn-Romance fügt sich angenehm ein und nimmt nicht zu viel Raum ein. Für Young Adult fand ich das sehr passend, auch wenn ich mir etwas mehr Funken gewünscht hätte.

Diese Mischung aus Fantasy, Dystopie, Religion, Macht und Angst hat für mich richtig gut funktioniert.

🦉🦉🦉🦉 / 5
Atmosphäre: 🌙🌙🌙🌙 / 5
Chemie: ✨✨✨ / 5
Sprecherleistung: 🎙️🎙️🎙️ / 5

Vier Eulen für eine düstere Drachenfantasy mit Hexenjagd-Vibes, spannenden Trials und einer Welt, in der die größte Gefahr vielleicht nicht nur von den Drachen ausgeht.