Brutale Poesie
Markus Stegner überrascht seine zwölfjährige Tochter Sofie und schenkt ihr Karten für ein Konzert ihrer Lieblingssängerin. Begleitet wird Sofie von Markus Schwester Isabel und deren Tochter Lotte, er selbst wartet in der Nähe, um später mit Sofie nach Hause zu fahren. Nachdem der letzte Ton verklungen ist, macht sich Markus auf den Weg zu Sofie, als das Unbegreifliche passiert: es wird ein Anschlag verübt und Sofie ist unter den Opfern.
»Er sucht, am Boden liegend, die Fläche ab, er reißt die Augen auf, stellt alle Sinne scharf, durchdringt den Nebel, und dann denkt er noch einmal, dass der Nebel bleiben muss, der Nebel muss alles zudecken, was er sieht, alles luftdicht verpacken und verhüllen, wirklich alles, für immer.« (Seite 62)
Gerade erst hat Sofie ihren Schulfreund Tobias zu sich nach Hause eingeladen, mit ihm und ihrem Vater einen tollen Nachmittag verbracht. Man kann hier nicht von Schmetterlingen im Bauch sprechen, aber für Tobias war es schon nah dran. Die Zukunft wird schön, einfach wunderbar. Eine große Überraschung hat Markus geplant, Kerstin, die Mutter, bleibt zu Hause, ohne Tochter und Mann. Man konnte nicht ahnen, nicht wissen, nicht einmal daran denken, was dann passiert ist. Wie lebt man danach weiter? Wie überlebt man, was geschah?
»Nein, du irrst dich. So wie du dich geirrt hast, als du die Konzertkarten gekauft hast. Und als du losgefahren bist, in die falsche Richtung, an den falschen Ort, am falschen Tag. Ich muss dir sagen, dass du dich irrst und dass ich dir nicht vergeben kann, was du getan hast. Unwissentlich, ja, aber das nutzt mir nichts. Es spielt keine Rolle, du bist verantwortlich. Du bist schuld.« (Seite 167)
Schritt für Schritt führt Jan Costin Wagner gewohnt routiniert durch ein schwieriges Thema, durch diese Tragödie, teilt diese in Tage, in ein Davor und ein Danach. Ich teile Sofies Begeisterung, die Freude von Tobias, den Stolz von Markus und fühle Kerstins Schmerz, danach. Wie unterschiedlich Menschen trauern, das wird mit jeder Seite klar; manchen verschlägt es die Sprache, andere suchen die Heilung und nicht wenige die Konfrontation, besessen von Wut und Hass auf alles, was nicht in ihr Weltbild passt. Ohne den erhobenen Zeigefinger, emphatisch und bewegend kreiert der Autor ein Drama, das mich tief berührt hat. Dies in einer Sprache, die begeistert, mancher Satz poetisch und brutal gleichermaßen. Große Leseempfehlung!
»Er sucht, am Boden liegend, die Fläche ab, er reißt die Augen auf, stellt alle Sinne scharf, durchdringt den Nebel, und dann denkt er noch einmal, dass der Nebel bleiben muss, der Nebel muss alles zudecken, was er sieht, alles luftdicht verpacken und verhüllen, wirklich alles, für immer.« (Seite 62)
Gerade erst hat Sofie ihren Schulfreund Tobias zu sich nach Hause eingeladen, mit ihm und ihrem Vater einen tollen Nachmittag verbracht. Man kann hier nicht von Schmetterlingen im Bauch sprechen, aber für Tobias war es schon nah dran. Die Zukunft wird schön, einfach wunderbar. Eine große Überraschung hat Markus geplant, Kerstin, die Mutter, bleibt zu Hause, ohne Tochter und Mann. Man konnte nicht ahnen, nicht wissen, nicht einmal daran denken, was dann passiert ist. Wie lebt man danach weiter? Wie überlebt man, was geschah?
»Nein, du irrst dich. So wie du dich geirrt hast, als du die Konzertkarten gekauft hast. Und als du losgefahren bist, in die falsche Richtung, an den falschen Ort, am falschen Tag. Ich muss dir sagen, dass du dich irrst und dass ich dir nicht vergeben kann, was du getan hast. Unwissentlich, ja, aber das nutzt mir nichts. Es spielt keine Rolle, du bist verantwortlich. Du bist schuld.« (Seite 167)
Schritt für Schritt führt Jan Costin Wagner gewohnt routiniert durch ein schwieriges Thema, durch diese Tragödie, teilt diese in Tage, in ein Davor und ein Danach. Ich teile Sofies Begeisterung, die Freude von Tobias, den Stolz von Markus und fühle Kerstins Schmerz, danach. Wie unterschiedlich Menschen trauern, das wird mit jeder Seite klar; manchen verschlägt es die Sprache, andere suchen die Heilung und nicht wenige die Konfrontation, besessen von Wut und Hass auf alles, was nicht in ihr Weltbild passt. Ohne den erhobenen Zeigefinger, emphatisch und bewegend kreiert der Autor ein Drama, das mich tief berührt hat. Dies in einer Sprache, die begeistert, mancher Satz poetisch und brutal gleichermaßen. Große Leseempfehlung!