Autismus aus der Sicht eines Betroffenen

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simm.city Avatar

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Ich arbeite in einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum für geistige Entwicklung und auch in meiner Klasse gibt es immer wieder Jugendliche mit Autismus-Spektrum. Umso gespannter war ich auf dieses Buch, das ein junger, nicht-sprechender Mann mit Autismus ohne kognitive Beeinträchtigung geschrieben hat.

Woody Brown vergleicht den Autismus am Anfang des Buches mit „ADHS mal tausend“. „Es ist, als würde man vor einer Monitorwand sitzen, und jeder einzelne Monitor zeigt etwas anderes, aber alle laufen auf voller Lautstärke.“ Dadurch, dass Autisten ihre Reize nicht filtern können, ist dies ein treffendes Beispiel, um sich in ihre Situation einzufühlen.

So toll das Buch beginnt, so enttäuscht wurde ich im Leseverlauf: Woody schreibt nicht aus seiner Sicht, sondern schreibt auch aus der Sicht von anderen Autisten und Betreuern. Mir hat definitiv der „Rote Faden“ im Buch gefehlt. Teilweise war das Buch sehr verwirrend.

Geschockt war ich darüber, dass „unterstützte Kommunikation“ in den USA anscheinend noch ein Fremdwort ist. An unserem SBBZ ist es ganz selbstverständlich, dass geschaut wird, ob ein Mensch Hilfsmittel benötigt: zum Beispiel Metacom-Symbole, Kommunikationstafeln, Kommunikationsbücher, Ich-Bücher, Sprachausgabegeräte, einfache Taster und Hilfen mit Sprachausgabe oder komplexe Sprachcomputer. Außerdem werden Gebärden häufig verwendet bzw. eingeführt.
Im Buch verfügen die Betreuer anscheinend über kein Hintergrundwissen der unterstützten Kommunikation. Lediglich die Mutter hat herausgefunden, dass sie mit Woody über eine Buchstabentafel kommunizieren kann. Das hat mir richtig weh getan, das zu lesen.
Ich wünsche mir, dass das Wissen um Unterstützte Kommunikation in die USA überschwappt, damit Menschen, die sich nicht per Verbalsprache ausdrücken können, andere Möglichkeiten finden, sich ihrer Umwelt mitzuteilen.