Bemerkenswert

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taina Avatar

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Dieser Roman eines schwer beeinträchtigten, nicht-sprechenden Autisten zerfällt in viele kürzere Episoden. Sie betrachten Menschen, die entweder selbst zu den behinderten Menschen gehören oder mit diesen in Interaktion treten. Besonders zu Beginn spürt man die Wut des Ich-Erzählers Walter über die Nicht-Anerkennung durch die Gesellschaft: Er kann sich nur in Sprachfetzen äußern und ist nicht zur Kommunikation fähig. Dadurch wird er unterschätzt und nicht als intellektuell gleichwertig anerkannt. Seine ‚Kriegermutter‘ erkämpft Schulassistenzen, hilft, wo sie kann, führt Buchstabiertafeln für ihn ein. Walter erreicht schließlich allen Widrigkeiten zum Trotz einen Highschool-Abschluss. Und nun ist er in einer Tagesstätte für Behinderte, genannt Upward Bound, was er als Ironie empfindet. Das Gebäude ist ein ehemaliges Altenheim, alles ist in die Jahre gekommen, schäbig. Der Rektor ist pädagogisch nicht qualifiziert und kann den Ansprüchen nicht genügen, so gerne er würde. Die finanzielle Unterstützung fehlt. Das Personal ist großenteils nicht ernsthaft interessiert, nicht ausgebildet und wechselt häufig. Die Aktivitäten sind unterfordernd, nur der Aufenthalt im Schwimmbecken ist abwechslungsreich.
So werden die Bewohner weitgehend nur aufbewahrt. Ein Lichtblick unter den Betreuern ist Carlos, ein junger Mann, der im Upward Bound eine Chance bekam. Seine einfühlsame Art, mit den Schützlingen umzugehen, ihre Bedürfnisse zu erspüren, ist eindrucksvoll geschildert und geht stilistisch über das hinaus, was am Anfang sehr traktathaft und sachlich daherkommt. Auch Ann und Avery geben ein Stück Außensicht auf die Bewohner von Upward Bound: Ann überbrückt die Sommerferien, bis die Uni wieder losgeht, und Avery ist Kassiererin bei Target, dem Kaufhaus, das die Gruppe mit ihren Betreuern einmal in der Woche besucht. Was für eine absurde Idee, den jungen Menschen das als Abwechslung anzubieten! Beide Frauen beobachten genau, lernen viel über Autismus und Behinderung, sehen die Probleme und reflektieren ihre eigenen Rollen.
Walter kann nach einem tragischen Vorfall die Tagespflege schließlich verlassen und wird weiter mit seiner Mutter leben. Ob das ein versöhnlicher Schluss ist, sei dahingestellt.
Die Schreibweise des Romans kann nicht wirklich überzeugen, zu unterschiedlich sind die einzelnen Kapitel gelungen, zu sehr steht oft die Botschaft im Vordergrund, die gewiss eine wichtige ist. Und sie wird immer wieder ausformuliert, obwohl sie doch schon aus dem Geschilderten hervorgeht: Seht das Potenzial der Menschen, behandelt sie angemessen, respektiert sie, infantilisiert sie nicht! Und sperrt sie nicht in eine Tagesstätte, in der nichts Forderndes geschieht. Insofern ist das Buch ein wichtiger Beitrag für eine Diskussion über gute, pädagogisch qualifizierte Unterbringungsmöglichkeiten, die den behinderten Menschen ein erfülltes Leben ermöglichen.