Das Buch verdient Aufmerksamkeit und Diskussion!

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In der Kita- und Schulzeit gibt es noch vielfältige Fördermöglichkeiten für Menschen mit Autismus. Manche können sprechen, andere nicht. Manche sind geistig zurückgelieben, viele aber auch nicht. Manche schaffen einen Schulabschluss, viele auch nicht. Nach der Highschoolzeit ist kaum einer der schwer betroffenen arbeitsfähig und landet in einer trostlosen Tagessätte für autistische Erwachsene wie Upward Bound in Los Angeles. Dort werden die "Schützlinge" infantilisiert und von einer sich wiederholenden Beschäftigung zur nächsten geführt. Individuelle Betreuung oder Förderung ist nicht vorgesehen. Wichtig ist, dass die Schützlinge keinen anderen oder sich selbst verletzen. Woody Brown erzählt das Leben in der Tagessätte aus der Sicht mehrerer Schützlinge, wie Jorge, Tom und Walter, dem Ich-Erzähler. Er zeigt die Sicht der Betreuer Carlos, Andy und Ann und die Sicht des Leiters Dave, Marina der Verwaltungsassistentin und Avery, einer außenstehenden Verkäuferin bei Target. Aus den vielen unterschiedlichen Perspektiven auf die gleichen Ereignisse, ergibt sich ein ziemlich plastischer Eindruck über das Leben, Denken und Fühlen in Upward Bound und seiner Schützlinge. Da ist Tom, der isoliert im Rollstuhl sitzt und nicht sprechen kann, der sich in Ann verliebt, wohlwissend, dass seine Liebe nur in seinen Träumen stattfinden wird. Der aber auch von Ann gesehen und liebevoll betreut wird. Ihr Weggang lässt ihn unglücklich zurück. Oder Jorge, großgewachsen, unbeholfen und stark autistisch, der im Betreuer Carlos einen Freund gefunden hat, der ihn über jahrelange Beobachtung auch ohne Worte versteht und ihn zu beruhigen weiß.

"Carlos war das Beste an Upward Bound gewesen. Er hatte uns mit Respekt behandelt, als wären wir Menschen, als könnten wir nichts für unser Anderssein." Walter,
Seite 204

Walter ist hochintelligent, besitzt einen College-Abschluss und kann mittels Buchstabentafel kommunizieren. Doch für eine Hilfskraft für gestützte Kommunikation fehlt das Geld in Upward Bound. So ist er in der Tagessätte zum Schweigen verdammt. Aber er möchte nicht schweigen.

"Ich konnte meine eigenen Entscheidungen treffen oder zumindest auf sie deuten. Das hob mich von den anderen ab. Ich konnte diesem Club des Schweigens nicht angehören, ich weigerte mich, ich konnte die Geschichten erzählen, die sich hinter den Kulissen abspielten." Walter, Seite 206

Meinung:
Woody Brown gibt den nicht-sprechenden Autisten eine Stimme. Er kann ausdrücken, was in ihnen vorgeht, was sie ärgert und triggert. Dieser Roman ist ein wichtiges Plädoyer dafür autistische Menschen nicht aufzugeben oder abzuschieben, sondern sie individuell zu fördern, damit sie sich mitteilen können und am Leben teilhaben können. Und es ist ein Plädoyer für umsichtige Pflegekräfte, die sich, ungeachtet ihrer formalen Bildung, in nicht-sprechende autistische Menschen hineinfühlen können und ihnen damit Ruhe und Sicherheit geben.

Das Buch ist flüssig und unaufgeregt geschrieben und verdient Aufmerksamkeit und Diskussion!