Das Leben in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung - aus der Perspektive eines Betreuten erzählt.

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"Ich konnte diesem Klub des Schweigens nicht angehören, ich weigerte mich, ich konnte die Geschichten erzählen, die sich hinter den Kulissen abspielten."
Kapitel: "Der Ausreißer (Teil II)"
Der Autor ist Autist, hat dank seiner engagierten Mutter und einer neuen Methode gelernt, mit einer Buchstabentafel zu kommunizieren. So hat er auch als erster nicht-sprechender Autist ein Universitäts-Studium abgeschlossen.
In seinem ersten Buch beschreibt er das Leben von Walter in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung, hauptsächlich Autisten. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer Person in der Tagesstätte Upward Bound geschrieben, Betreuten aber auch Betreuern. Dabei lernen wir nicht nur Walter selbst kennen, der einen Uniabschluss hat, aber durch den Tod seines Vaters nicht mehr die Unterstützung erhalten kann, die er benötigt. Sondern auch Tom mit dem Gesicht eines Schauspielers, gefesselt in den Rollstuhl, Jorge, ... Sie alle haben kaum Möglichkeit, sich zu verständigen.
Und doch lässt uns der Autor an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben, der Verbindung, die sie teilweise untereinander haben.
Gerade dass ließ mich im Verlauf des Buches immer verwirrter zurück. Auch wenn die Kommunikation mittels Buchstabentafel (Facilitated Communication - FC) umstritten ist, der Einblick in Walters Welt war für mich noch nachvollziehbar. Aber wie man die Gedanken derer, die Sicht nicht auf diese oder jedwede andere Art verständlich machen können, so konkret einfängt, fand ich schwer verständlich.
Die Betreuer wechseln häufig, schlechte Bezahlung, noch schlechtere Arbeitsbedingungen. Doch es gibt ein paar Lichtblicke wie Carlos, oder auch die Studentin Ann, die über den Sommer dort arbeitet und versucht, den Alltag etwas spannender zu gestalten. Ihre Sicht, ihre anfängliche Nervosität, dann die Ruhe, mit der sie ihre Arbeit verrichten, fand ich gut beschrieben.
Die einzelnen Kapitel fügen sich spät zu einer ganzen Geschichte zusammen, was ich interessant und gut gemacht fand.
Für meine Bewertung frage ich mich jetzt: Sehe ich es als rein fiktives Werk, das versucht, etwas verständlich zu machen, das keiner verständlich machen kann, hat es mir gut gefallen. Es liefert einen guten Einblick, wie es ist, immer unterschätzt zu werden, am Rande der Gesellschaft zu sein.
Betrachte ich das Buch so, wie es verkauft wird, die Einblicke eines Autisten in seine Welt, dann sieht die Sache anders aus. Dann muss ich die von einigen infrage gestellte Autorenschaft ebenso berücksichtigen wie die Glaubwürdigkeit der Gedanken und Ausdrucksversuche der Betreuten ebenso wie der Betreuter.
Fazit:
Das Leben in einer Tagesstätte für Menschen mit Behinderung - aus der Perspektive eines Betreuten erzählt.