Eine Geschichte, die mich berührt hat - aber was ist mit der Autorenschaft?
Ich bin ganz begeistert in die Geschichte gestartet und das hielt auch bis zum letzten Drittel an. Dann habe ich von den Zweifeln an der Autorenschaft bzw. an Facilitated Communication gehört und kann nun nicht mehr so gut bewerten wie eigentlich geplant. Am Ende werden wir vielleicht nie erfahren, ob Woody Browns Mutter wirklich die getippten Buchstaben „übersetzt“ oder ob sie vielmehr frei interpretiert und damit eher die Autorin der Geschichte ist. Jede*r sollte sich selbst ein Bild machen, mir fällt es jedoch schwer, das noch so einfach zu glauben, nachdem ich die Videoaufnahmen der beiden gesehen habe: https://www.youtube.com/watch?v=wwofBlN9PDs&t=500s
Wenn ich das einmal beiseitelasse, ist die Geschichte wirklich gut! Sie ist leichtfüßig geschrieben, greift verschiedene Menschen - behinderte und nicht-behinderte - auf und führt sie zusammen. Manche Figuren haben mich total berührt und mir eine wirklich bereichernde Sicht gegeben. Denn natürlich bin auch ich ableistisch sozialisiert und gerade Toms Geschichte hat mich damit ordentlich konfrontiert. Das ist etwas, das Literatur schaffen sollte!
Die kürzeren Kapitel, bei denen auch nicht immer klar ist, aus wessen Perspektive sie geschrieben sind, konnten mich weniger erreichen und mit dem Ende habe ich auch nicht gerechnet. Ich bin einerseits dankbar für die ernsten Themen, wie etwa Polizeigewalt gegenüber BIPoC sowie Menschen in psychischen Notlagen, hatte aber im Endeffekt doch auch den Eindruck, dass ihre Einbindung eher Virtue Signalling war als ehrliche politische Positionierung. Dafür wurden mir die Dinge auch etwas zu unempathisch und abrupt abgehandelt.
Am Ende steht und fällt meine Bewertung damit, ob ich glaube, dass Woody die Geschichte mit Hilfe seiner Mutter selbst verfasst hat. Dieser Glaube fällt mir bei der Beweislage schwer und dann hat das Ganze für mich einen faden Beigeschmack - die Mutter gleicht nämlich schon fast einer Heldin des Buches. Auch kann ich den deutschen Titel nicht nachvollziehen. Er gibt mir einen „inspirierenden“ Vibe und das muss ich bei Geschichten von und mit behinderten Menschen wirklich nicht mehr haben.
Obwohl ich das Werk sprachlich überwiegend mochte und ihm bei sicherer Own-Voices-Autorenschaft wohl auch volle 5 Sterne gegeben hätte, kann ich das bei all den Zweifeln nicht mehr. Wenn eine nicht-behinderte Person so intim über die Realität behinderter Menschen schreibt, empfinde ich das nicht als wertvoll. So schade, denn das Werk eignet sich sehr gut dafür, das eigene Schubladendenken zu hinterfragen und die öffentliche Debatte rund um die unklare Autorenschaft verschiebt den Diskurs jetzt weg vom eigentlichen Thema.
Wenn ich das einmal beiseitelasse, ist die Geschichte wirklich gut! Sie ist leichtfüßig geschrieben, greift verschiedene Menschen - behinderte und nicht-behinderte - auf und führt sie zusammen. Manche Figuren haben mich total berührt und mir eine wirklich bereichernde Sicht gegeben. Denn natürlich bin auch ich ableistisch sozialisiert und gerade Toms Geschichte hat mich damit ordentlich konfrontiert. Das ist etwas, das Literatur schaffen sollte!
Die kürzeren Kapitel, bei denen auch nicht immer klar ist, aus wessen Perspektive sie geschrieben sind, konnten mich weniger erreichen und mit dem Ende habe ich auch nicht gerechnet. Ich bin einerseits dankbar für die ernsten Themen, wie etwa Polizeigewalt gegenüber BIPoC sowie Menschen in psychischen Notlagen, hatte aber im Endeffekt doch auch den Eindruck, dass ihre Einbindung eher Virtue Signalling war als ehrliche politische Positionierung. Dafür wurden mir die Dinge auch etwas zu unempathisch und abrupt abgehandelt.
Am Ende steht und fällt meine Bewertung damit, ob ich glaube, dass Woody die Geschichte mit Hilfe seiner Mutter selbst verfasst hat. Dieser Glaube fällt mir bei der Beweislage schwer und dann hat das Ganze für mich einen faden Beigeschmack - die Mutter gleicht nämlich schon fast einer Heldin des Buches. Auch kann ich den deutschen Titel nicht nachvollziehen. Er gibt mir einen „inspirierenden“ Vibe und das muss ich bei Geschichten von und mit behinderten Menschen wirklich nicht mehr haben.
Obwohl ich das Werk sprachlich überwiegend mochte und ihm bei sicherer Own-Voices-Autorenschaft wohl auch volle 5 Sterne gegeben hätte, kann ich das bei all den Zweifeln nicht mehr. Wenn eine nicht-behinderte Person so intim über die Realität behinderter Menschen schreibt, empfinde ich das nicht als wertvoll. So schade, denn das Werk eignet sich sehr gut dafür, das eigene Schubladendenken zu hinterfragen und die öffentliche Debatte rund um die unklare Autorenschaft verschiebt den Diskurs jetzt weg vom eigentlichen Thema.