Erschütternd und erhellend

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peppermintpatty Avatar

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Was geht in den Köpfen von Autisten vor? Darüber gibt es nicht allzu viele authentische Berichte. Dass ein nicht-sprechender Autist ein Buch schreibt, ist besonders, wird sogar als literarisches Ereignis gehandelt, während andere die Urheberschaft bezweifeln und das Buch deshalb kritisieren. Ich finde allerdings, das sollte ganz egal sein, ich beurteile ein Buch und nicht den Autor.

Woody Brown berichtet aus seiner Zeit in Upward Bound, einer Tagesstätte für autistische Erwachsene, die betreut werden müssen, unterschiedliche Beeinträchtigungen haben und nicht alleine leben können. Er wechselt in jedem Kapitel den Blickwinkel. Mal erzählt ein Betreuer, mal andere Autisten, die Sekretärin, die Praktikantin und sogar die Kassiererin im Supermarkt. Selbst Tom, der im Rollstuhl sitzt und nur blinzeln kann, bekommt eine Stimme. Er kann sich nicht bewegen, aber er kann denken, auch wenn es sich niemand vorzustellen scheint.

Es ist erschütternd zu sehen, wie sehr hier Menschen wollen und nicht können, versuchen zu kommunizieren, aber nicht verstanden werden. Im Gegenteil, sogar der Leiter der Einrichtung versucht gar nicht erst, seine Schützlinge zu verstehen. Sie werden verwahrt statt gefordert oder gar gefördert, mit Kleinkinderspielen beschäftigt, weil man ihnen sonst nichts zutraut. Sie sitzen in einem Gefängnis aus Unterforderung, Ignoranz und Langeweile.

All das beschreibt Woody Brown sehr anschaulich. Das Buch ist auf jeden Fall ein Augenöffner. Wer es gelesen hat, wird zukünftig besser hinschauen, wenn ihm Menschen mit Beeinträchtigungen begegnen. Stilistisch fand ich es ganz gut, aber nicht genial. Hier zählt ganz klar mehr das Anliegen als der literarische Anspruch.

Ich habe es gerne gelesen und einen Einblick in eine mir ganz unbekannt Welt bekommen.