Horizonterweiternd
„Ein ganz normales Wunder“ ist das zweite Buch im Rahmen der von Kiepenheuer & Witsch ins Leben gerufenen Aktion „Deutschland liest ein Buch“. Ich habe es nun auch gelesen. Der amerikanische Autor Woody Brown schreibt mit bewundernswerter Leichtigkeit über Themen, die alles andere als leicht scheinen: Behinderungen; Einschränkungen, die kein eigenständiges Leben zulassen und die Ignoranz von Mitmenschen. Die Kapitel schildern die Perspektiven verschiedener Figuren, die alle einen Bezug zu einer Tagesstätte haben, in der junge Erwachsene mit Behinderung betreut werden. Da gibt es z.B. Walter, der non-verbaler Autist und offensichtlich das Alter Ego des Autors ist. Wie Tom, der eine Zerebralparese hat, gehört er zu den sogenannten Schützlingen der Einrichtung Upward Bound. Einige der dort arbeitenden Betreuungskräfte kommen ebenfalls zu Wort, wie der seit sechs Jahren in der Tagesstätte arbeitende Carlos und Ann, die während der Sommerferien in der Einrichtung jobbt. Und da ist Dave, der Leiter von Upward Bound, dem die Einhaltung der Regeln und eine gelungene Weihnachtsshow am wichtigsten sind. Durch ihre unterschiedlichen Ansichten, Einblicke und Erfahrungen macht Autor Woody Brown – ein non-verbaler Autist – kurzweilig greifbar, was es bedeutet, seinen Alltag in einer Tagesstätte zu verbringen, die die dort betreuten Menschen mehr verwaltet als fördert. Der Tragik, die dieser Thematik innewohnt, begegnet er mit Humor und nimmt dem Ganzen so die Schwere. Und ganz nebenbei setzt er noch einen Handlungsstrang zusammen, den ich erst relativ spät als solchen erkannt habe und der mich einigermaßen kalt erwischte. „Ein ganz normales Wunder“ nimmt seinen Leserinnen und Lesern die Schwellenangst und führt sie in eine Welt, mir der die meisten von uns kaum in Berührung kommen. Der Roman hat meinen Horizont erweitert, in dem er auch immer wieder den Umgang von nicht-behinderten Menschen mit Beeinträchtigten thematisiert. Die Lektüre lässt mich aufmerksamer und sensibler zurück, als ich es vor dem Lesen war.
Noch erwähnen möchte ich, dass es einige Diskussionen um Woody Browns Autorenschaft gibt. Der Verdacht, dass seine Mutter das Buch mitverfasst hat, steht im Raum. Ich habe mich mit den Pro- und Kontra-Argumenten zu dieser Vermutung allerdings nicht beschäftigt und weiss so wenig über non-verbalen Autismus, dass ich es anmaßend fände, mich dazu zu äußern. Völlig unabhängig von dieser Frage sei gesagt: Der Roman ist etwas Besonderes, er bereichert, sensibilisiert und nimmt die Angst vor dem Unbekannten. Ich bin froh, dass ich ihn gelesen habe.
Noch erwähnen möchte ich, dass es einige Diskussionen um Woody Browns Autorenschaft gibt. Der Verdacht, dass seine Mutter das Buch mitverfasst hat, steht im Raum. Ich habe mich mit den Pro- und Kontra-Argumenten zu dieser Vermutung allerdings nicht beschäftigt und weiss so wenig über non-verbalen Autismus, dass ich es anmaßend fände, mich dazu zu äußern. Völlig unabhängig von dieser Frage sei gesagt: Der Roman ist etwas Besonderes, er bereichert, sensibilisiert und nimmt die Angst vor dem Unbekannten. Ich bin froh, dass ich ihn gelesen habe.