Kommunikation ist der Schlüssel

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guildenstern Avatar

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Ein Buch, geschrieben vom ersten nicht-sprechenden autistischen Universitätsabsolventen - was erwartet den Leser da? Wider Erwarten ist das Buch unterhaltsam. Auf seine eigene Weise schildert der autistische, nicht sprachfähige Autor Woody Brown sein Leben. Sein Verhältnis zur Mutter ist sehr eng - er wurde von ihr mithilfe einer Buchstabentafel unterrichtet - und ihre stetige Förderung hat ihn zu dem werden lassen, der er heute ist.
Die Geschichte beginnt in einer Anstalt, wo erwachsene Behinderte betreut werden. in den einzelnen Kapiteln lässt Brown die Beteiligten (Patienten, Betreuer, der Leiter der Einrichtung und verschiedene Praktikanten) das Geschehen aus ihrer Sicht schildern, wobei das unterschiedliche Erleben der selben Ereignisse schmerzhaft deutlich wird.
Dabei wird dem Leser klar, dass das gegenseitige Verstehen an der mangelhaften Kommunikation scheitert. Wer kein Wort sagen und seine Gefühle nicht ausdrücken kann, beispielsweise wegen Zerebralparese, ist von der Welt der "Normalen" ausgeschlossen. Schlimm, wenn er alles hört und versteht, was andere in seiner Gegenwart über ihn sprechen und damit seine Gefühle verletzen. Das Buch hat mir bewusst gemacht, wie wichtig alternative Kommunikation ist. Wenn Betreuer darin geschult würden, könnten viele geistig Behinderte ein selbständiges Leben führen und ihre Fähigkeiten entwickeln, statt in Hilfsarbeiterjobs zu enden oder auf lebenslange Betreuung angewiesen zu sein.
Komisch und anrührend zugleich ist die Beschreibung der Weihnachtsfeier, wo die Erwartungen der Gäste (z.B. der anwesenden Eltern und der privilegierten College-Girls, die als freiwillige Helferinnen fungieren) mit den begrenzten Fähigkeiten der Schützlinge kollidieren. Avery, die an der Supermarktkasse sitzt und die Gruppe einmal pro Woche beim Einkaufen erlebt, repräsentiert wohl am ehesten uns Außenstehende. Ihre Perspektive war dem Autor am wichtigsten.
Das Buch hat mich emotional mitgenommen - ein tragisches Erlebnis wird geschildert, das wohl jeden mitfühlenden Menschen erschüttert. Darüber hinaus hat es meine eigene Wahrnehmung von Menschen mit Schwerbehinderung geändert. Ich weiß jetzt, dass hinter stumpfen Gesichtern, unartikulierten Lauten oder ungezielten Körperbewegungen, die manchmal skurril erscheinen, ein Mensch steckt - mit Gefühlen und Bedürfnissen, die sich kaum von denen "Gesunder" unterscheiden.
Woody Browns Geschichte schärft den Blick auf Behinderungen und weckt gleichzeitig Verständnis für die Behinderten. Er plädiert dafür, dass Betreuer, Lehrer und Familienmitglieder alternative Kommunikationstechniken erlernen, damit Gehandicapte adäquate Ausbildungsmöglichkeiten bekommen und ihre eigenen Fähigkeiten bestmöglich entwickeln können. Es ist eine Schande, sie nur in Anstalten aufzubewahren, denn sie haben ein besseres Leben verdient.