Macht nachdenklich

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Über dieses Buch wird dermaßen kontrovers diskutiert, dass ich es einfach lesen bzw. hören musste. Woody Brown ist nicht-sprechender Autist und hat mithilfe seiner Mutter die Universität absolviert. Das hat noch kein anderer zuvor geschafft. Und nun hat er diesen Roman geschrieben. Da er nicht allein schreiben kann und dafür die Hilfe seiner Mutter benötigt, steht die Frage im Raum, wie viel von ihm selbst ist. Ganz ehrlich? Das ist mir gerade völlig egal!

Der Roman besteht im Grunde aus kleinen Geschichten rund um eine Tagesstätte für Menschen mit einer Behinderung. Über die unterschiedlichen Pfleger, die unterschiedlichen Einschränkungen, die Ungerechtigkeiten, die kleinen und großen Kämpfe, die Erfolge und die Niederlagen, die Enttäuschungen und die Freuden, die Sicht von außen auf die Gruppe, aber auch die Sicht der einzelnen aus der Gruppe nach außen.

Der feine unterschwellige Humor macht die Schwere des Themas erträglicher. Und jedes Wort kommt an. Man kann nicht anders, als sich selbst und den eigenen Umgang mit Menschen mit Handicap ebenso zu hinterfragen, wie die Figuren und ihr Handeln im Buch. Es ist natürlich schwer, für jede Einschränkung den passenden Tagespflegeplatz zu finden, zu viele verschiedene gibt es. Aber die Botschaft, den vermeintlich infantilen Menschen mehr zuzutrauen und sie zu fördern, zu fordern und ihnen etwas zuzutrauen, ist schon wichtig. Durch die unterschiedlichen Perspektiven wirkt die Story manchmal etwas unstrukturiert und zusammenhanglos, insgesamt passt das aber. Sollte das Buch komplett von Woody Brown sein, ist das eine wahnsinnige Leistung. Ist ein mehr oder weniger großer Teil von seiner Mutter oder einer anderen Person, bin ich mir dennoch sicher, dass sie Woodys Gedanken widerspiegelt.

Dieses Buch hat das Zeug, das Leben von Personen mit Einschränkungen, besonders auf dem breiten Spektrum des Autismus, zu verändern und zu verbessern. Da spielt es, meiner Meinung nach, keine Rolle, wer genau es geschrieben hat. So oder so ist Woody der Initiator und das Bild, das man zur Story braucht. Ich finde es gut. Nicht perfekt, etwas schwer einzuordnen, aber gut. Vier Sterne.